„Die Kollegin“ von Freida McFadden – Spannung, Täuschung, Psychospiel – lohnt sich das Buch? (Rezension)

Wenn mich eine Reihe aus dem letzten Jahr begeistert hat, dann war es definitiv die „The Housemaid“-Reihe von Freida McFadden. Ich habe die Bücher verschlungen und die Plottwists haben mich wirklich überrascht. Deshalb war ich umso gespannter auf das neue Buch von der Autorin und bin direkt in die Buchhandlung gestiefelt, um mir „Die Kollegin“ zu kaufen. Da bin ich dann sogar über meinen Schatten gesprungen und habe mir das Buch mit diesem (wirklich) grässlichen Buchschnitt gekauft, um es schneller zu lesen. Und hat es sich gelohnt? 

Klappentext: 

Zwei Frauen. Ein Büro. Ein schreckliches Verbrechen. Mit Farbschnitt in limitierter Erstauflage – Lieferung je nach Verfügbarkeit

Dawn Schiff ist seltsam. Darin sind sich ihre Kollegen einig. Sie sagt nie das Richtige. Sie hat keine Freunde. Aber sie ist jeden Morgen um Punkt 8:45 Uhr an ihrem Platz in der Firma, in der sie als Buchhalterin arbeitet. Bis sie eines Morgens nicht auftaucht. Dawns Kollegin Natalie Farrell wundert sich. Dann erhält sie einen anonymen Anruf und fährt zu Dawns Wohnung. Keine Spur von ihrer Kollegin. Doch Natalie bietet sich ein Bild des Grauens. Eins scheint bald klar: Jemand muss Dawn so sehr gehasst haben, dass er sie getötet hat. War es jemand aus ihrem Büro? Je mehr Natalie herausfindet, desto tiefer verstrickt sie sich selbst in ein Netz aus Lügen und Gewalt, aus dem es kein Entkommen gibt.

Was passiert in „Die Kollegin “?

Dawn ist eine seltsame neue Kollegin. Ihr Arbeitstag läuft jeden Tag gleich ab und man kann die Uhr danach stellen, wann sie auf die Toilette geht oder wann sie etwas isst. Als sie eines Tages nicht in ihrem Büro auftaucht, wird Natalie unruhig. Da kann etwas nicht stimmen. Natalie geht zu ihrem Chef Seth, doch da bekommt sie das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Sie beschließt, dem ganzen auf den Grund zu gehen und fährt zu Dawn nach Hause. Und tatsächlich findet sie einen Tatort auf. 

Natalies Kollegin scheint etwas zugestoßen zu sein. Man findet zwar keinen Körper, aber ein Blutbad in der Dawns Wohnung. Natalie hat eine düstere Vorahnung, denn Dawn wollte mit ihr über „eine wichtige Angelegenheit“ sprechen. Worum ging es wohl? Hat diese Angelegenheit etwas mit Dawns Verschwinden zu tun? Eigentlich ist Dawn so isoliert gewesen, dass es nur jemand gewesen sein konnte, den Natalie auch kennt. Es muss jemand aus dem Büro gewesen sein. Wer hat Dawn nur so sehr gehasst, dass er sie umbringen wollte? 

Der erste Satz:

„Seth, ich bin auf eine sensible Angelegenheit gestoßen, über die ich dringend mit dir sprechen muss, und möchte dich um ein Treffen in deinem Büro bitten, sobald es dir passt.“

Seite 7, Prolog

Wie hat mir „Die Kollegin“ gefallen? 

Wow, das Buch hat sich definitiv gelohnt. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass „Die Kollegin“ nicht mit der Housemaid-Reihe mithalten kann. Das Buch war aber dennoch anders, als man es jetzt von der Autorin schon gewohnt war. 

In dem Buch begleiten wir hauptsächlich Natalie, die von ihren Erfahrungen und ihren Erlebnissen mit Dawn berichtet. Unterbrochen wird das ganze von E-Mails von Dawn an ihre Freundin Mia. Dort drin beschreibt Dawn ausführlich, wie sie von ihren Kolleg:innen gemobbt wird und wie sie das alles wahrnimmt (und welche Firmengeheimnisse sie aufdeckt). Ich fand diesen Aspekt besonders spannend, weil da deutlich wird, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Bei Natalie klangen alle Situationen viel weniger schlimm und in Dawns Mails ist erst hervorgekommen, wie schlimm Natalie wirklich zu Dawn war. Das ist ein tolles Element, was die Autorin hier eingeführt hat. Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich meine Skepsis bei Dawns Mails hatte. Sie hat ellenlange Nachrichten geschrieben, in denen sie sehr detailliert beschreibt, wie es ihr geht und von ihrer scheinbar besten Freundin Mia kamen sehr kurze und wenig aussagekräftige Antworten. Natürlich löse ich hier nicht auf, was hinter diesem E-Mail-Verkehr steckt, aber dieses Element hat mir gut gefallen, auch wenn ich als geübte Leserin hier eine Falle gerochen habe. 

Hauptsächlich geht es in „Die Kollegin“ um die Figuren Natalie, Natalies Freund Caleb, ihren Chef Seth und eben ihrer Kollegin Dawn. Die Konstruktion und das Zusammenspiel dieser Figuren ist sehr spannend und ergibt natürlich erst am Ende des Buches ein Gesamtbild. Alle Figuren erhalten einen interessanten Background und ich konnte mir bei allen ein Bild im Kopf machen. Insbesondere der Vergleich vom ersten Eindruck bis hin zum späteren Bild ist doch auch nochmal bemerkenswert.

Wahrscheinlich nur ein Nebenaspekt, aber als Thema die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie einzuführen, fand ich sehr unterhaltsam. Vor allem die Auffassung und vertretene Meinung von Natalie, die als Verkäuferin im Sales-Bereich arbeitet, sticht hervor. Die Ambivalenz, die sie vor ihren Kolleginnen und vor sich selbst vertritt und der gegenteiligen Meinung, die sie vor ihren Kund:innen vertritt, ist sehr realitätsnah. Meiner Meinung nach hätte das Thema noch weiter ausgeführt werden können, weil ich mich daran wirklich lange amüsieren kann. 

Der Handlungsverlauf ist ein kleines Auf und Ab. Ein wenig zieht es sich zu Anfang und im Mittelteil, was zumindest bei mir dazu geführt hat, dass ich genügend Zeit hatte, mir meine Theorien gebildet habe. Sobald die Geschichte aber in Fahrt gekommen ist, blieb es auch konstant spannend. Und ich kann ja schonmal verraten, dass es – wie bei McFadden schon üblich – einen großen Plottwist geben wird, der überraschend kam aber für erfahrene Thriller-Fans durchaus erwartbar war. Nichtsdestotrotz hat mich das Buch gut unterhalten und ich wurde an vielen Stellen eines besseren belehrt. 

Ein Aspekt, der kaum zur Sprache kommt, aber dennoch einen großen Teil des Buches ausmacht, ist dass Dawn viele Anzeichen der Autismus-Spektrum-Störung aufweist. Ich habe auf Social Media auch schon wahrgenommen, dass einige Leser:innen beispielsweise von den Schildkröten genervt waren, die für mich aber ein markantes Beispiel für die Darstellung des Autismus bei Dawn sind. Meiner Ansicht nach versteht man Dawn ein wenig besser, wenn man das im Hinterkopf behält. Wie gesagt: Es wird an keiner Stelle bestätigt oder ausgesprochen, aber für mich als Laienpsychologin sprechen viele Punkte sehr dafür. 

Schlussendlich bin ich der Meinung, dass „Die Kollegin“ wirklich spannend, unterhaltsam und überraschend war und der Housemaid-Reihe nicht maßgeblich nachsteht. Die Geschichte rund um die Kolleginnen Dawn und Natalie ist voller Intrigen, falschen Hoffnungen und Geheimnissen, sodass ich „Die Kollegin“ allen Fans des psychologischen Thrillers empfehlen würde.

Kleiner Servicehinweis, den ich am Ende des Buches gesehen habe: In wenigen Monaten erscheint schon das nächste Buch auf deutsch. Es heißt „Der Lehrer“.

Liebe Grüße
Eure Aylin 


Informationen zu dem Buch „Die Kollegin“

Autor: Freida McFadden
Übersetzung: Astrid Gravert
Titel: Die Kollegin
Verlag: Heyne
ISBN 978-3-453-42948-2
Preis: 17,-€  für das Paperback
Seiten: 384
Erschienen am: 26. März 2025

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