„Ich und die Menschen“ von Matt Haig – Warum sich dieses außergewöhnliche Buch wirklich lohnt (Rezension)

Die Bücher von Matt Haig (z.B. „Die Mitternachtsbibliothek“ oder „The Comfort Book„) sind für mich besonders. Sie regen zum Nachdenken an und behandeln die wichtigen Themen unserer Zeit. Dementsprechend war ich auch sehr gespannt auf „Ich und die Menschen“, weil ich mir neue Denkanstöße und einen Perspektivwechsel gewünscht habe. Und diesen Perspektivwechsel habe ich definitiv hier bekommen. 

Klappentext: 

Klug, katastrophal und witzig – wie das Leben:

Matt Haigs inspirierender Roman darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein

Andrew Martin, Mathematikprofessor aus Cambridge, kann sich nur wundern: Über sich selbst, denn er läuft nackt über eine Autobahn, empfindet beim Gedanken an Essen Übelkeit und mag weder seine liebevolle Frau Isobel noch ihren gemeinsamen Sohn Gulliver. Vor allem aber über den Rest der Menschheit mit ihrem Ehrgeiz, ihrem Egoismus und ihren zerstörerischen Leidenschaften.

Andrew ist nicht er selbst, und er hat eine Mission. Doch die konfrontiert ihn mit all den anderen wunderbaren, chaotischen und unbegreiflichen Aspekten des Menschseins, vom Lachen über Mitgefühl bis zur Liebe. Können Isobel und der eigenbrötlerische Gulliver Andrews Meinung über die Menschen ändern? 

Eine Entdeckung für alle Fans von »Die Mitternachtsbibliothek«

Ein Mathematikprofessor, der nicht von dieser Welt ist, und die großen Fragen des Lebens: Bestseller-Autor Matt Haig erzählt in seinem philosophischen Roman »Ich und die Menschen« eine ebenso nachdenkliche wie leichtfüßige Geschichte mit einem Hauch Magie.

 Was passiert in „Ich und die Menschen “?

Der Protagonist ist nicht von dieser Welt. Er hat den Körper von Andrew Martin übernommen und er hat eine Mission. Er will die mathematischen Entdeckungen von Andrew ungeschehen machen. Warum? Weil sie die Existenz der Vonnadorianer gefährden könnte. Doch was sind denn eigentlich Menschen und wie verhalten sie sich? So genau weiß der „neue“ Andrew das nicht und stolpert so durch die Weltgeschichte. Normale menschliche Tätigkeiten sorgen für Aversionen, Übelkeit und Abscheu bei ihm. Doch er muss alles dafür geben, nicht aufzufallen. Nicht einmal bei seiner eigenen Familie darf auffallen, dass der „alte“ Andrew nun nicht mehr da ist und der „neue“ Andrew ihn übernommen hat. Aber der „alte“ Andrew hatte sich ohnehin sehr von seiner Familie abgekapselt und eigentlich nur noch für seine Wissenschaft und die Mathematik gelebt. Das kann der „neue“ Andrew ja eigentlich nicht wissen und weiß deshalb nicht so ganz, wie er sich verhalten soll. 

Der „neue“ Andrew schließt eine innige Freundschaft zu dem Hund Newton und heilt ihn von seiner Sehschwäche. Er versteht allmählich die menschlichen Verbindungen untereinander und seine Abscheu gegenüber seiner eigenen Frau wird von Tag zu Tag geringer. Er fängt an, sie zu mögen. Auch zu seinem Sohn Gulliver fängt er an, eine Verbindung aufzubauen, die der „alte“ Andrew nie hatte. Und es kommt, wie es kommen musste: Der „neue“ Andrew findet langsam Gefallen am Menschsein. Er mag Musik, seinen Hund und auch, dass er jeden Tag etwas Neues lernt. So gehen wir den Weg vom eigensinnigen Außerirdischen hin zum empathischen Mann. 

Der erste Satz:

„Hallo Mensch.“

Seite 9, Vorwort zur terrestrischen Ausgabe

Wie hat mir „Ich und die Menschen“ gefallen? 

Es ist definitiv eine außergewöhnliche Geschichte und ich bin mir über die Bedeutung der Meta-Ebene des Buches auch noch nicht so ganz sicher. 

Anfänglich hat mich das Konzept des „Außerirdischer übernimmt Körper eines Menschen“ ein wenig abgeschreckt und ich wusste nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Zumal das im Klappentext meiner Meinung nach überhaupt nicht rausgekommen ist. Aber so allmählich habe ich die Perspektive des Außerirdischen verstanden und dass es eben darum geht, die Menschen von außen zu sehen. Wie würde jemand, der noch nie zuvor einen Menschen gesehen hat, auf die Menschheit blicken? Das hat mir im Laufe des Buches immer besser gefallen. 

Die Umgebung und die Prämisse des Buches ist ein Standard-Leben in England als Professor. Es gibt kaum Besonderheiten, die jetzt sehr stark hervorstechen. Aber zwischendurch – und ich spoilere natürlich nicht – gibt es eine krassere Wendung oder ein Ereignis in Andrews Leben, die für mich so wirken, als hätten Lektor:innen gesagt „Matt, da brauchst du noch einen Twist. Die Sache muss doch irgendwie interessanter werden.“. Ich sage natürlich nicht, worum es genau geht, aber ich hätte diesen Erzählsprung nicht gebraucht. 

Der Verlauf der Geschichte ist rührend, aber nicht wirklich überraschend. Wer auf der Suche nach unerwarteten Wendungen oder neuen Erkenntnissen ist, wird hier leider nicht fündig werden. Es ist aber dennoch ein versöhnlicher Verlauf der Handlung, mit dem ich ganz gut leben kann. Für mich als Leserin hatte das einen runden Anfang und ein schönes, schlüssiges Ende. 

Kommen wir nun zur Meta-Ebene, die ich bereits angesprochen habe. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es sich hier um eine psychische Erkrankung handelt. Es wird beschrieben, dass Andrew übermäßig viel gearbeitet hat und dass es ihm schon lange nicht mehr gut ging. War diese gesamte Geschichte eine Metapher für einen Nervenzusammenbruch, eine Panikattacke oder ähnliches? In seiner Danksagung schreibt Matt Haig davon, dass ihm die Idee im Jahr 2000 kam, als er selbst an einer ausgeprägten Panikstörung litt. „Damals fühlte sich das menschliche Leben genauso fremd für mich an wie für den namenlosen Erzähler dieses Romans.“ Er schreibt, dass sich er ähnliche Ängste wie der „neue“ Andrew hatte und ihm die kleinsten Dinge Angst bereitet haben. Das könnte natürlich dafür stehen, dass der namenlose Erzähler eine Panik ist. Allerdings spricht dagegen, dass dieser „neue“ Andrew auch magische Fähigkeiten besitzt, die beispielsweise den Hund Newton von seiner Sehstörung heilen oder anderen Menschen das Leben nehmen können. Deshalb bin ich mir unschlüssig, wie ich die Geschichte in diesem Punkt deuten soll. 

Schlussendlich bin ich der Meinung, dass „Ich und die Menschen“ definitiv ein Buch ist, dass zum Nachdenken anregt und neue Perspektiven ermöglicht. Zum Schluss des Buches gibt es beispielsweise auch eine Liste mit 97 Ratschlägen für die Menschen, die mir zumindest nochmal vor Augen gehalten haben, was für ein Glück wir haben, auf dieser Welt zu sein und wie begrenzt unsere Zeit auf diesem Planeten ist. Wer also auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Buch mit interessanten Ansichten über das Menschsein ist, wird hier fündig werden.

Und hier könnt ihr euch das Buch selbst ansehen 😉

Liebe Grüße
Eure Aylin 


Informationen zu dem Buch „Ich und die Menschen

Autor: Matt Haig
Übersetzung: Sophie Zeitz
Titel: Ich und die Menschen
Verlag: Droemer Knaur
ISBN 978-3-426-56158-4
Preis: 12,99€  für das Taschenbuch
Seiten: 352
Erschienen am: 03. März 2025 (als Neuauflage, ursprünglich von 2014)

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