Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig – Übernatürliche Kräfte und Naturverbundenheit

Ob Ratgeber, Kinderbuch oder Roman – Matt Haig ist ein vielseitiger Autor, dessen Bücher mich selten enttäuscht haben. Und so habe ich mit großer Spannung auf die Neuerscheinung „Die Unmöglichkeit des Lebens“ hingefiebert und direkt angefangen zu lesen, als ich es in die Hände bekommen habe. 

Klappentext: 

Was aussieht wie Magie, ist einfach ein Teil des Lebens, den wir noch nicht verstehen …

Als Grace, eine pensionierte Mathematiklehrerin, von einer fast vergessenen Freundin ein heruntergekommenes Häuschen auf einer Mittelmeerinsel erbt, siegt ihre Neugier. Ohne Rückflugticket, Reiseführer oder einen Plan fliegt sie nach Ibiza. Zwischen den rauen Hügellandschaften und goldenen Stränden der Insel macht Grace sich auf die Suche nach Antworten über das Leben ihrer Freundin – und das Rätsel ihres Todes. Was sie dabei entdeckt, ist merkwürdiger, als sie es sich je hätte träumen lassen. Eine Wahrheit, die unmöglicher kaum sein könnte. Doch um sich auf sie einlassen zu können, muss Grace sich erst ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

 Was passiert in „Die Unmöglichkeit des Lebens “?

Grace hat sich mit der Eintönigkeit ihres Lebens abgefunden. Sie ist bereits pensioniert und lebt alleine in ihrem Bungalow, da sowohl ihr Mann als auch ihr Sohn bereits gestorben sind. Jede Woche läuft nach dem gleichen Muster ab und es ist eigentlich kein Raum für Überraschungen eingeplant. Nun erhält sie einen Brief, in dem ihr mitgeteilt wird, dass ihr eine ehemalige Kollegin ein Haus auf Ibiza vererbt hat. Grace ist komplett überrascht, da sie damals mit Christina gar nicht so viel zu tun hatte. Eigentlich haben sie vor vielen Jahren nur ein Weihnachtsfest gemeinsam verbracht, als sowohl Christina als auch Grace recht einsam waren. Und jetzt soll ihr deshalb ein Haus auf Ibiza gehören? 

Grace ist überzeugt davon, dass das ein Missverständnis sein muss, aber dennoch steigt sie ins Flugzeug und fliegt Richtung Mittelmeer. Sie hat keinen Plan und auch kein Ticket für einen Rückflug bei sich. Als der Taxifahrer sie vor einem heruntergekommenen Haus am Straßenrand absetzt, ist Grace ein wenig enttäuscht. Das soll ihr Erbe sein? Wollte es ansonsten niemand haben? Doch was sie auf der Insel und hinter der Eingangstür erwarten sollte, damit konnte Grace absolut nicht rechnen. 

Von einem Olivenglas, das sich selbst immer wieder mit Meerwasser füllt, einer jungen Insel mit unendlich vielen Möglichkeiten und der Magie der Natur, die man gesehen haben muss, um es zu glauben. 

Der erste Satz:

„Liebe Mrs Winters, ich hoffe, es ist okay, dass ich mich an Sie wende.“

Seite 9

Fotografiert von Max

Wie hat mir „Die Unmöglichkeit des Lebens“ gefallen? 

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ganz schwierig in Worte zu fassen… Es gibt auch kein anderes Buch, was ich bislang gelesen habe, mit dem ich es vergleichen könnte. 

Wir starten in dem Buch mit einer E-Mail von Maurice, der sich verzweifelt hat Grace wendet. Ihm geht es nicht so gut und er wollte sich mal bei seiner ehemaligen Mathematiklehrerin melden. Diese antwortet ihm und möchte ihm von einer seltsamen Geschichte erzählen. Und dann fängt sie an zu erzählen von dem Brief, Ibiza und La Presencia. 

Da diese Geschichte der Erzählung vorausgeht, bin ich von einer offensichtlichen „Moral“ oder so ausgegangen. Und es gibt durchaus mehrere Lehren, die Grace ihrem ehemaligen Schüler mitgeben möchte, aber für mich war das nicht so ergreifend (wie beispielsweise bei „Die Mitternachtsbibliothek“). 

Die Protagonistin Grace durchläuft innerhalb des Buches eine schöne Charakterentwicklung. Anfänglich ist sie ein sehr rationaler Mensch und glaubt nicht an die Übersinnlichkeiten, die ihr auf der Insel begegnen. Doch sie kann nicht alles erklären, was dort passiert (das sich immer wieder füllende Olivenglas, die ausgestorbene Blume, die plötzlich wieder blüht oder das Leuchten des Meeres) und muss sich eingestehen, dass da vielleicht doch eine höhere Macht ist. 

Eine große Rolle spielt die Natur und der Schutz dieser, da der Antagonist in diesem Buch (Art Butler) ein Hotel in einen Felsen hineinsprengen möchte. Sowohl für den Felsen als auch das Meer und das jahrhundertalte Seegras wäre das verheerend. Und so machen sich Grace und ihr Begleiter Alberto ans Werk und versuchen mithilfe von La Presencia den Plan zu durchkreuzen. Es wird beim Lesen deutlich, dass Matt Haig als Autor eine große persönliche Verbindung zur Insel Ibiza hat. Ihm ist die Natur dort wichtig und das transportiert er wirklich gut. 

So jetzt habe ich schon häufiger von übersinnlichen Kräften und La Presencia geschrieben. Was ist das? Das ist wirklich schwer zu beschreiben. Es ist der Grund, weshalb Christina unbedingt Grace nach Ibiza holen wollte, weil sie ihr Potential gesehen hat. Und La Presencia „erwählt“ Grace in dem Moment, in dem sie mithilfe von Alberto ins Meer taucht und es geschehen lässt. La Presencia überträgt eine gewisse Kraft und bestimmte Fähigkeiten (Telepathie, Telekinese,…) auf Grace und ihr Leben ändert sich ab diesem Punkt massiv. Und hier komme ich auch zu dem Punkt, weswegen das Buch schwer zu beschreiben und zu greifen ist: Es ist eine Komponente, die ich bisher so nicht in Büchern vorgefunden habe und die sich meinem Vorstellungsvermögen ein wenig entzieht. Nichtsdestotrotz ist diese „Unmöglichkeit“ durchaus interessant und spielt selbstverständlich auch wieder auf den Buchtitel an. Denn eigentlich ist das gesamte Leben – unsere Existenz – eine Sache der Unmöglichkeit. Wir bestehen alle doch irgendwo nur aus Sternenstaub (danke an meinen damaligen Physiklehrer, der mir damit vor knapp 10 Jahren schon die Kinnlade hat herunterklappen lassen). Und darum geht es meiner Meinung nach in dem Buch hauptsächlich. Eigentlich ist das Leben per se schon so unrealistisch, warum sollte es dann nicht noch übersinnliche Mächte und Fähigkeiten geben? Nur weil man etwas nicht erklären kann, ist es nicht unmöglich. 

Schlussendlich hat mich „Die Unmöglichkeit des Lebens“ überrascht und ich habe nicht mit solch einer Geschichte gerechnet. Für mich haben besonders die spürbare Liebe zur Insel Ibiza und die detaillierten Beschreibungen der sommerlichen Umgebung einen positiven Eindruck hinterlassen. Das Buch kommt meiner Meinung nach nicht an vergangene Bücher von Matt Haig heran, aber es ist durchaus einzigartig. Ich würde das Buch Leser:innen empfehlen, die auf der Suche nach Antworten auf scheinbar unmögliche Frage sind.

Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen. 

Liebe Grüße
Eure Aylin 

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Informationen zu dem Buch „Die Unmöglichkeit des Lebens

Autor: Matt Haig
Übersetzung: Sabine Hübner,  Dr. Bernhard Kleinschmidt,  Thomas Mohr
Titel: Die Unmöglichkeit des Lebens
Verlag: Droemer Knaur
ISBN 978-3-426-28276-2
Preis: 24,-€  für das gebundene Buch
Seiten: 416
Erschienen am: 29. August 2024


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