„Zwischen meinen Worten“ von Mounia Jayawanth – Das beste Buch über Essstörungen, was ich bisher gelesen habe

Ich verfolge die Autorin Mounia des Buches „Zwischen meinen Worten“ seit einiger Zeit auf Instagram und hatte mir vorgenommen, nach meinem Kaufverbot das Buch als erstes zu bestellen. Als ich dann ein Exemplar gewonnen hatte, bin ich vor Freude umhergesprungen. Aus diesem Grund habe ich es auch direkt angefangen zu lesen und war gespannt, wie Mounia das Buch über Essstörungen umgesetzt hat.

Klappentext:

Lia hält jeden auf Abstand. Niemand weiß von ihrer Essstörung und womit sie zu kämpfen hat. Doch alles könnte sich ändern, als sie plötzlich den gut aussehenden Noah aus ihrer Schule in ihrem Therapiezentrum trifft. Für beide ist klar, dass sie diese Begegnung so schnell wie möglich vergessen wollen, aber das ist gar nicht so leicht, wenn man sich jeden Tag in der Schule sieht. Außerdem findet sie Noah netter, als ihr lieb ist. Und ihm scheint es ähnlich zu gehen, denn aus irgendeinem Grund will er immer mehr Zeit mit ihr verbringen. Zu gerne würde sie mit jemandem über ihr Gefühlschaos reden, aber die Beziehung zu ihren Eltern ist das reinste Drama, und selbst ihre beste Freundin Gina weiß nicht, was wirklich in ihr vorgeht. Umso verrückter ist es, dass sie Noah und ihrer Mitschülerin Samira plötzlich mehr Vertrauen schenkt als jemals jemand anderem zuvor. Ein Jugendbuch über Freundschaft, Liebe und all das, worüber nie gesprochen wird: psychische Krankheiten, Alltagsrassismus, toxische Beziehungen, und vieles mehr!

 Was passiert in „Zwischen meinen Worten “?

Lia ist verschlossen und sehnt jedes Klingeln der Schulglocke herbei, die das Ende eines Schultages ankündigt. Dann geht es für sie nach Hause und sie kann sich in ihrem Zimmer verschließen. Sie leidet seit vielen Jahren unter verschiedenen Essstörungen. Momentan steckt sie in der Binge Eating-Essstörung drin. Bei starken Emotionen kompensiert sie ihre Gedanken und Gefühle mit Essanfällen. In der Schule ahnt vermutlich niemand etwas von ihrer psychischen Erkrankung, da sie sogar eine durchaus plausible Ausrede für die wöchentlichen Therapiebesuche hat. Sie muss auf ihre Nachbarin Theresa aufpassen. Die Theresa-Lüge. Doch eines Tages erblickt sie im Wartezimmer ihrer Therapie, die extra am anderen Ende der Stadt ist, ein bekanntes Gesicht. Noah aus der ihrem Englischkurs. Doch er muss hier doch fehl am Platz sein. Lia ist fest davon überzeugt, dass er keine psychischen Probleme haben kann… Bei Frau Globus (ihrer Therapeutin) spricht Lia das zunächst nicht an, doch der Umgang in der Schule zwischen den beiden ist ab sofort anders. Sie kommen sogar ins Gespräch und Noah lädt Lia ein, mit seinen Freunden nach der Schule in die Burgerei zu gehen und Burger zu essen. Die beiden sind auf einer Wellenlänge.

Im Englischkurs sitzt Samira neben Lia. Sie wurde dorthin gesetzt, nachdem Mrs White davon überzeugt war, dass Lias vorherige Banknachbarin zu gesprächig war. Auch mit Samira nähert sich Lia an und es entsteht eine Freundschaft zwischen Noah, Samira und Lia. Alle drei haben ihre Päckchen zu tragen, die sie für sich behalten. Samira leidet unter dem Alltagsrassismus, der ihr täglich auch unbewusst entgegengebracht wurde. Noah und Lia wissen zwar voneinander, dass sie in Therapie sind, aber sie wissen nicht, was der jeweils andere dahingetrieben hat. Samiras Mutter hat ihre Tochter als Kind immer gefragt, was sie zwischen ihren Worten meint. Und auf diese Weise können sich die Freunde öffnen und ihre Gefühle voreinander offenbaren.

Ändert sich dadurch ihre komplette Konstellation?

Der erste Satz:

„Ich starre wie versteinert auf sein Gesicht.“

– Seite 9, Kapitel 1 „Entlarvt“

Wie hat mir „Zwischen meinen Worten“ gefallen?

Ich habe schon einige Bücher über Essstörungen gelesen, weil ich mich während meiner Erkrankung in den Büchern verstanden gefühlt habe. Und jetzt im Nachhinein bin ich neugierig, wie die Autoren und Autorinnen die Gedanken von essgestörten Patienten umgesetzt haben. Und ich kann jetzt schon vorwegnehmen, dass Mounias „Zwischen meinen Worten“ das beste Buch über Essstörungen ist, was ich bisher gelesen habe.

Die Charaktere wurden realistisch und vorstellbar beschrieben und gestaltet. Neben den Protagonisten Samira, Lia und Noah gab es natürlich auch Nebencharaktere, die eine wichtige Rolle eingenommen haben. Besonders Gina als Antagonistin (in meinen Augen) fand ich spannend, da mich interessiert hat, was in ihrem Kopf abgeht. Bevor Lia und Noah sich gegenseitig ihre Diagnosen preisgegeben haben, habe ich die ganze Zeit gerätselt, was es bei Noah sein könnte. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich Teil der Freunde. Als könnte ich diese Bindung und die Blicke spüren. Am liebsten würde ich mich mit ihnen in einem Park in Berlin treffen und ein Picknick genießen, was Samiras Mutter vorbereitet hat.

Neben der Essstörung von Lia hat mich an diesem Buch auch der kulturelle Aspekt durch Samiras Familie. Ich habe ebenfalls orientalische Wurzeln und war auch beispielsweise schon während der Fastenzeit in der Türkei. Als westeuropäisches Mädchen ist es unfassbar ungewohnt, wie die Traditionen sind. Mounia hat den Charakter Samira und ihre Kultur, die sie mitbringt, klasse gestaltet. Ich habe einige neue Sachen dazu gelernt und dich denke, so kann es auch anderen Menschen gehen.

Der Handlungsverlauf war unvorhersehbar und spannend. Die Charaktere entwickeln sich weiter und das hat mich rückblickend besonders an der Geschichte hängen lassen. Als Leser*in merkt man, dass sich Lias Essanfälle entwickeln (aber ich sage natürlich nicht, in welche Richtung das ganze geht). Wie jede Freundschaft gibt es bei ihnen auch Up und Downs. Besonders durch Samiras Charakter lösen sie Probleme und Uneinigkeiten auf beeindruckende und erwachsene Art und Weise. Am Ende des Buches gibt es meiner Meinung nach einen großen Cliffhänger und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Die Stimmung auf den knapp 550 Seiten hat mich mitgerissen und mitfiebern lassen. Ich habe gelitten, gelacht und die Augen an den richtigen Stellen verdreht. Unfassbar wie gut Mounia das geschafft hat.

Ein Extrapunkt, den ich gerne noch ansprechen möchte, sind die Kapitelüberschriften. Die sind besonders. Bei anderen Büchern gibt es Nummern oder einzelne Wörter. In diesem Buch wurden Zitate aus dem folgenden Kapitel genommen, die ein Charakter gesagt hat. Dadurch hat man teilweise schon die Grundstimmung aufgefasst. Allerdings wurde man auch manchmal auf die falsche Fährte geführt. Faszinierend.

Schlussendlich finde ich „Zwischen meinen Worten“ unglaublich gelungen. Es ist für Betroffene wenig triggernd, weil keine Zahlen etc. genannt werden und für Angehörige gut, um die Krankheit Binge-Eating zu verstehen. Des Weiteren ist es selbst für Leser*innen interessant, da die Geschichte süß und abwechslungsreich gestaltet ist. Ich habe es geliebt

Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen 😉

Liebe Grüße
Eure Lin


Informationen zu dem Buch „Zwischen meinen Worten“

Autorin: Mounia Jayawanth
Titel: Zwischen meinen Worten
ISBN 978-1700928252
Preis: 14,99€  für das Taschenbuch
Seiten: 568
Erschienen am: 26. Oktober 2019           


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3 Gedanken zu “„Zwischen meinen Worten“ von Mounia Jayawanth – Das beste Buch über Essstörungen, was ich bisher gelesen habe

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