Es wird jeden von uns treffen. Jeder von uns wird einen geliebten Menschen verlieren und muss lernen weiterzuleben. Sicherlich werden wir diese Person nicht vergessen können. Und genau diese Thematik hat mich an „Bis die Zeit verschwimmt“ von Svenja K. Buchner sehr interessiert, weshalb ich froh war, dass der Thienemann-Esslinger Verlag mir ein Leseexemplar hat zukommen lassen. Wie gehen Jugendliche mit Trauer um?
Klappentext:
Eine Achterbahnfahrt der Gefühle: hochkarätiger Coming-of-Age-Roman für Mädchen ab 13.
Zeit. Für Helene bleibt sie stehen, als ihre beste Freundin Cassie stirbt. Weiterleben kann sie nur, indem sie Antworten sucht – beim Amokläufer, bei seinen Opfern, bei den Hinterbliebenen. Helene verliert sich in Wut, Trauer und Schuld. Nur manchmal, zusammen mit Erik, kommt das längst vergessene Gefühl der Leichtigkeit zurück. Aber darauf kann Helene sich nicht einlassen, ohne Cassie zu verraten …
Was passiert in „Bis die Zeit verschwimmt “?
Helene überlebt. Aber ihre beste Freundin Cassie nicht. Ein Amoklauf an ihrer Oberschule zerteilt Helenes Leben in ein Davor und ein Danach. Ständig sieht sie die entscheidende Szene vor Augen und überlegt, warum gerade Cassie sterben musste. Hatte dieser Amoklauf einen Sinn?
Trauer bestimmt nun die Gedanken und das Handeln von Helene. Sie verbarrikadiert sich zuhause, isst nichts mehr und geht nicht mehr in die Schule. Alte Erinnerungen von Cassie und Helene durchfluten ihren Kopf und bringen den Leser aus dem düsteren Alltag in sonnige Kindertage.
Das ganze Grübeln und Hinundherüberlegen bringt die Jugendliche zunächst nicht weiter, bis sie einen Punkt entdeckt, der für sie so viel Sinn ergibt. Helene fängt an zu forschen. Schlussendlich möchte sie wissen, warum ihre beste Freundin sterben musste. Sie sammelt Zeitungsartikel, spricht mit Hinterbliebenen und findet mehr über den Täter heraus. Nach und nach klappert sie die anderen Opfer ab und stellt teilweise ungenierte Fragen, da sie hofft, so mehr über das Motiv und den Grund herauszufinden. Helenes bester Freund Erik begleitet sie bei ihrer Reise und bringt sie manchmal auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Aber Helene will nicht akzeptieren, dass Cassie nur ein Zufallsopfer gewesen ist und sie ihre beste Freundin hätte retten können…
Der erste Satz:
„Es war ein warmer Tag im Sommer.“
– Prolog

Wie hat mir „Bis die Zeit verschwimmt“ gefallen?
Das Thema „Trauer“ und „Trauerverarbeitung“ ist so schon nicht einfach. In Verbindung mit einem Amoklauf wird dies aber zu einer unüberwindbaren Aufgabe für die Hinterbliebenen. Ich finde es klasse, dass dieses Buch sich auf Jugendliche bezieht, da es meiner Meinung/meiner Empfindung nach noch nicht so viele Bücher zu diesem Bereich für diese Altersgruppe gibt.
Helene wirkt manchmal auf den Leser ein bisschen schroff und handelt teilweise unüberlegt. Allerdings muss man sich immer noch im Hinterkopf behalten, dass sie unter Schock steht und sich ihr Leben nun komplett geändert hat. Mit diesem Hintergrund hat mich Helenes Handeln berührt und ich konnte sie verstehen. Obwohl ich solch eine schreckliche Situation noch nicht durchleben musste, habe ich verstanden, worum es Helene geht. Sie wollte eine Erklärung.
Für die glücklichen Momente in diesem Buch wurden Zeitblenden bzw. Rückblenden eingefügt. So lernen wir als Leser Cassie auch kennen. Wir wissen nun, was für eine tiefe und innige Verbindung die beiden Freundinnen gehabt haben. Welche wunderschönen Sommertage sie verbracht haben und welche Erinnerungen die beiden teilen. Das macht das Buch an einigen Stellen leicht und nicht nur düster und traurig. Nichtsdestotrotz ist die Grundstimmung schon bedrückend und emotional.
Viele Menschen kennen diese 5 Phasen der Trauer. Diese sind psychologisch sicherlich auch gut begründet und richtig. Aber das Leben hält sich nicht immer daran. Vielleicht scheinen die Phasen hier auch durch, aber sie sind nicht lehrbuchartig dargestellt, was mir richtig gut gefallen hat.
ACHTUNG, SPOILER!
Das Leben junger Protagonisten wird natürlich auch von anderen Themen gefüllt und so verliebt sich Helene auch im Laufe des Buches und findet eine neue Freundin, die Cassie natürlich nie ersetzen wird, aber die Helene wieder zum Lachen bringt. Dieser Aspekt hat mir persönlich auch richtig gut gefallen, da es auch sehr realistisch ist. Nachdem ein Mensch gestorben ist, geht es – obwohl man es sich zu Beginn der Trauerphase nicht eingestehen will – weiter. Irgendwann kann man wieder lachen, sich verlieben und neue Freundschaften schließen. In diesem Buch ist das sehr gut umgesetzt worden.
ACHTUNG, SPOILER ENDE!
Schlussendlich ließ sich das Buch sehr gut lesen, da die Schreibweise zum Dahinweilen eingeladen hat. Natürlich regt es auch zum Nachdenken an und stimmt einen traurig, da man unweigerlich mit dem Tod und Verlust einer geliebten Person konfrontiert wird. Aber Svenja K. Buchner hat in „Bis die Zeit verschwimmt“ sehr treffend dargestellt, wie Jugendliche die Trauer verarbeiten und wie das Leben weitergehen kann.
Es ist für (junge) Leser eine Empfehlung, die sich auch mal mit etwas schwererer Kost befassen möchten und denen die Themen „Tod“, „Trauer“ und „Freundschaft“ am Herzen liegen.
Liebe Grüße
Eure Lin
Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen 😉
Informationen zu dem Buch „Bis die Zeit verschwimmt“
Autorin: Svenja K. Buchner
Titel: Bis die Zeit verschwimmt
Verlag: Thienemann-Esslinger
ISBN 978-3-522-20269-5
Preis: 16,00€ für ein Hardcover-Buch
Seiten: 320
Erschienen am: 18. Januar 2020
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