In meinem Urlaub ging mir der Lesestoff aus. Also habe ich mich über die Libby App (große Empfehlung an alle Lesemäuse da draußen) umgesehen und geschaut, was ich denn noch so spontan lesen könnte. Da ist mir „Nur ein wenig Angst“ vorgeschlagen worden und ich habe es auch prompt innerhalb weniger Stunden durchgelesen gehabt. Deshalb muss ich dazu auch noch eine Rezension schreiben!
Klappentext:
Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2024 (Kritikerjury), vom Autor des ersten norwegischen Bookstagram-Hits
Cornelius geht aufs Gymnasium, spielt Fußball und feiert mit Freunden. Er ist fast achtzehn, sein Leben läuft bisher wirklich gut. Aber eines Tages wird ihm übel. Und diese Übelkeit bleibt. Cornelius hat keine Ahnung, was sie verursacht, erkennt aber, dass er nicht krank ist. Nach einer Weile dämmert es ihm: Er hat Angst. Doch was soll er tun, wenn er »zu gesund« ist, um sich Hilfe zu holen, und »zu krank«, um alles alleine herauszufinden? „Nur ein wenig Angst“ ist eine persönliche und intime Geschichte darüber, wie ein junger Mensch zum ersten Mal Angst erlebt. Es ist ein Buch über die Angst, sich selbst zu verlieren, und darüber, wie schwierig es ist, sich für die wichtigsten Dinge des Lebens zu öffnen.
Cornelius ist eigentlich ein ganz normaler Junge, der ein sehr durchschnittliches Leben führt. Es sieht nicht so aus, als würde irgendetwas ihn von seinem Schulabschluss abhalten können. Doch plötzlich – wie aus dem Nichts – kommt sie. Die Angst. Anfänglich kann Cornelius sie nicht beschreiben und in Worte fassen. Sie zeigt sich in Übelkeit und Herzrasen und kommt in den unpassendsten Momenten. Glücklicherweise hat er ein sehr sensibles Umfeld, was ihn gut auffängt und an die richtigen Stellen bringt. Cornelius bekommt irgendwann auch Tabletten verschrieben, doch die will er nicht wirklich nehmen, weil das ein Eingeständnis wäre, dass er krank ist. Denn für Krankheiten bekommt man Tabletten verschrieben. Doch die Angst nimmt Überhand, während im Hintergrund alles ganz normal weitergeht: Schule, Partys, Freunde. Cornelius versucht alleine damit fertig zu werden.
Ich möchte, dass dieses Buch zur Pflichtlektüre in den Schulen wird! IIn ganz kurzen Kapiteln tauchen wir ein in die Gefühlswelt des jungen Mannes. Der Autor hat es geschafft, das diffuse Gefühl von Angst in Worte zu packen und die körperlichen Symptome nachvollziehbar zu beschreiben, auch wenn man noch nie in dem Maße Angst gespürt hat.. Es ist aber nicht nur ernst und traurig, es ist auch zwischendurch lustig, was ich auch wichtig finde, weil psychische Erkrankungen natürlich ernst sind, aber man dennoch auch mal lachen kann.
Als Schullektüre kann ich es mir deshalb gut vorstellen, weil es einen Raum schafft, über Angst, Panik und psychische Gesundheit im Teenageralter zu sprechen. Wir haben hier einen männlichen Protagonisten, was ich noch nicht so oft in Büchern über mentale Gesundheit gesehen habe. Cornelius ist nahbar für uns als Leser:innen. Er ist eigentlich ein „normaler“ Teenager.
Die Kapitel sind sehr kurz, wodurch ich quasi durch das Buch geflogen bin. Man spürt die Angst beinahe selbst im Körper, weil der Autor die körperlichen Symptome und den Verlauf gut beschreiben kann.
Und was ich auch sehr realistisch und wichtig finde: Das Buch endet nicht mit dem großen Happy End. Cornelius verliert seine Angststörung nicht von jetzt auf gleich. Das passiert im echten Leben auch nicht. Man lernt einen Umgang mit psychischen Erkrankungen, aber in den allermeisten Fällen ist es nicht wie eine Wunde, die nach einer gewissen Zeit verheilt ist. Bei psychischen Erkrankungen ist es oft so, dass die Wunde jederzeit durch einen bestimmten oder mehrere Auslöser aufreißen kann. Ich finde es gut, dass bei „Nur ein wenig Angst“ nicht die Illusion entsteht, dass Cornelius nur eine Phase voller Angst hatte.
Schlussendlich möchte ich eigentlich allen „Nur ein wenig Angst“ ans Herz legen, weil es ein Thema in den Mittelpunkt rückt, was sonst eher weniger Beachtung erhält: (junge) Männer und psychische Gesundheit. Insbesondere Angst wird meiner Meinung nach oftmals „weiblich“ assoziiert und mit weiblichen Protagonistinnen besetzt. Hier ist es ein junger, erfolgreicher Mann, den die Angst überrollt. Durch die kurzen Kapitel ist es auch für alle Leselevel schaffbar.
Liebe Grüße Eure Aylin
Informationen zu dem Buch „Nur ein wenig Angst“
Autor: Alexander Kielland Krag Übersetzung: Gabriele Haefs Titel: Nur ein wenig Angst Verlag: Arctis ISBN 978-3-03880-083-5 Preis: 16,-€ für die gebundene Ausgabe Seiten: 224 Erschienen am: 14. September 2023
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