„Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek als Amazon Prime-Film: Wie gut ist die Verfilmung? (Rezension)

Ich bin ja ein Thriller-Girl, wenn es ums Lesen geht, aber bei Verfilmungen mache ich um dieses Genre für gewöhnlich einen großen Bogen. Beim Lesen kann ich gegebenenfalls über die ganz schlimmen Stellen drüber lesen und meine Fantasie ein wenig detailloser lassen. Aber bei Filmen und Serien prasselt doch alles schonungslos auf einen ein. Nichtsdestotrotz wollte ich unbedingt die Verfilmung vom Fitzek-Bestseller „Der Heimweg“ sehen. 

Das Buch habe ich damals auch direkt bei der Erscheinung verschlungen. Meine Rezension dazu könnt ihr hier lesen: „Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek (Rezension zum Buch)

Trailer: 

Meine Meinung: 

Meine Euphorie auf den Film sank rapide, weil ich beim Drücken des Play-Buttons gar nicht weiter darüber nachgedacht habe, was da wirklich auf mich zukommt. Ich habe mich über eine Amazon Prime-Verfilmung von Fitzeks Buch „Der Heimweg“ gefreut, aber ich habe erstmal irgendwie verdrängt, dass es sich hier nicht um einen rosaroten Happy-Movie oder eine neutrale Dokumentation handelt. 

Ich muss auch direkt dazu sagen, dass ich ein Siebgehirn habe, was viele gelesene Bücher betrifft. Namen habe ich fast direkt nach dem Zuklappen vergessen und auch Handlungen und Plotttwists vergesse ich recht schnell wieder. Dementsprechend „ahnungslos“ bin ich an diesen Film gegangen. Kurioserweise speichert mein Gehirn ganz nebensächliche Details eines Buches (z.B. dass Klara im Laufe der Geschichte rennt und irgendwann an einer Straße entlangkommt, wo Autos fahren), die eigentlich gar nicht wirklich wichtig waren. Mein Partner hat das Buch damals als Hörbuch gehört und konnte sich noch an die große Auflösung am Ende erinnern, die ich irgendwie komplett verdrängt hatte. 

Die Besetzung von Klara und Jules ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Insbesondere Luise Heyer hat so eine starke Mimik, die durch die Inszenierung des Lichts so grandios herausgearbeitet wurde. Jules hingegen ist recht nüchtern gezeichnet worden, was Sabin Tambrea toll umgesetzt hat und auch richtig gut passt. Ansonsten gibt es nicht wirklich viele Figuren. Wichtig ist noch Klaras gewalttätiger Mann Martin, dessen Besetzung mit Friedrich Mücke auch gut gelungen ist (ich kann mir vorstellen, dass diese Rolle recht schwer zu spielen war), und ein älterer Mann, dessen Identität erst zum Ende des Films gelüftet wird. Somit war der Cast sehr übersichtlich und alle haben ihre Rolle gut gespielt!   

Was mir bei anderen Fitzek-Verfilmungen (z.B. „Die Therapie“ auf Amazon Prime) aufgefallen ist, sind die riesigen – unrealistischen – Kulissen. Die wenigsten Menschen wohnen in so einer großen Wohnung und haben auch noch so ein luxuriöses Ferienhaus. Natürlich wurde hier eine wohlhabende Familie begleitet, wo der Vater beim Staat arbeitet, aber dennoch würde ich mich auch über kleinere Kulissen freuen. 

Mit knapp 95 Minuten ist der Film für heutige Verhältnisse recht kurz geworden. Ich persönlich mag das aber sehr gerne, weil mich längere Filme oder auch Mini-Serien eher abschrecken. Natürlich hätte man mehr Szenen in den Film packen können und alles deutlich langsamer/detailreicher erzählen können. Aber im Großen und Ganzen waren – soweit wir uns erinnern konnten – alle relevanten Dinge drin und wurden erzählt. 

Die Warnungen am Anfang sind deutlich und man sollte sie sich als Zuschauer:in auch wirklich zu Herzen nehmen. Der Film ist nicht ohne. Wenn man mit den Themen persönlich zu tun hat, sollte man sich den Film nicht oder zumindest nicht alleine ansehen. 

Warum mag ich das Buch dennoch lieber? Im Film wird einem nicht die Zeit gelassen, um über das Erlebte nachzudenken. Das Buch kann ich jederzeit pausieren und mir meine Theorien bilden. Außerdem wird zum Ende dieses Film kein Resümee gezogen. Mir ist bewusst, dass viele das nicht mögen, aber mir hilft es, die vergangenen anderthalb Stunden zu verstehen. Wenn der Täter oder eine allwissende Erzähler:innenstimme nochmal zusammenfasst, wie das jetzt funktioniert hat und wie bestimmte Ereignisse erklärt werden können. 

Ich fand es im Übrigen witzig zu erkennen, an welchen Stellen des Filmes eigentlich ein Kapitel in einem Buch geendet ist und wo die Cliffhanger waren (z.B. der Messerblock, der Taser,…). Auch das macht das Lesen für mich persönlich reizvoller. Bei dem Film war ich konstant angespannt und es ist zwar durchaus eine spannende Geschichte erzählt worden, aber ich werde eher durch kurze Kapitel, Cliffhanger und falsche Fährten gecatcht.

Durch die vielen Bilder, die der Film liefert, rätselt man als Zuschauer:in schon mit, aber der Kreis der Verdächtigen ist gefühlt noch kleiner. In diesem Film konnte man meines Erachtens auch nicht ganz so gut selbst auf die Lösung kommen. Es hätten einige Hinweise gegeben werden können: 

ACHTUNG SPOILER ZUR AUFLÖSUNG – aufklappen für Spoiler :

Warum sehen wir Jules denn nicht zum Beispiel schreiben oder einen wirren Notizhaufen auf dem Tisch liegen? Dann könnte man ja darauf kommen, dass er den Schnörkel der 2 so schreibt. Er bewegt sich auch sehr natürlich in der Wohnung. Natürlich könnte man darüber diskutieren, warum er nicht panischer auf das verschwindende Messer reagiert (wie wenn es seine eigene Wohnung wäre) oder nicht direkt die Polizei verständigt, sobald Klara ihm ihre Absichten eröffnet, aber diese Sachen machen ihn nur suspekt aber nicht direkt verdächtig. Natürlich gibt es offensichtliche Dinge, wie die Szene, wo er mit Klara telefoniert, die gerade vom Stripper-Nikolaus aufgesammelt wurde und ihr nahelegt, in dieser Nacht niemandem zu vertrauen. Was mir im Nachhinein als kleines Indiz eingefallen ist – was aber auch nur der Kürze des Films geschuldet sein könnte – waren die ersten Sekunden des Telefonats. Klara mit K am Anfang ist genauso gewöhnlich wie Clara mit C und Jules hat nicht nachgefragt, sondern direkt in der Suchleiste nach Klara gesucht. 

Schlussendlich ist „Der Heimweg“ auf Amazon Prime eine wirklich gute Buchverfilmung geworden. Sie bringt die Zuschauer:innen auf falsche Fährten – genauso wie das Buch – und bietet zum Ende eine schlüssige Lösung. Der Film arbeitet nicht mit übertriebener Hektik, Jump Scares oder ähnlichem, sondern ist für einen Thriller recht leise. Die Besetzung ist wirklich gut gelungen und natürlich gibt es auch wieder einen Cameo-Auftritt vom Autoren Sebastian Fitzek höchstpersönlich. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Menschen, die zuerst den Film gesehen haben, dennoch Lust bekommen könnten, das Buch im Nachhinein zu lesen. 

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Klappentext vom Buch: 

Wer das Datum seines Todes kennt, hat mit dem Sterben schon begonnen – der neue Bestseller von Sebastian Fitzek!

Es ist Samstag, kurz nach 22.00 Uhr. Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon. Ein ehrenamtlicher Telefonservice für Frauen, die zu später Stunde auf ihrem Heimweg Angst bekommen und sich einen telefonischen Begleiter wünschen, dessen beruhigende Stimme sie sicher durch die Nacht nach Hause führt – oder im Notfall Hilfe ruft.

Noch nie gab es eine wirklich lebensgefährliche Situation. Bis heute, als Jules mit Klara spricht.

Die junge Frau hat entsetzliche Angst. Sie glaubt, von einem Mann verfolgt zu werden, der sie schon einmal überfallen hat und der mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht in nicht einmal zwei Stunden an …

Geheimnisvoll, beklemmend, nervenaufreibend. Sebastian Fitzeks bislang unheimlichster Psychothriller.


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2 Gedanken zu “„Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek als Amazon Prime-Film: Wie gut ist die Verfilmung? (Rezension)

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