Vor einigen Tagen habe ich die Rezension zu „Blinde Lüge“ hier auf meinem Blog gepostet und darin meine Begeisterung für das Buch ausgesprochen. Die Autorin, die hinter dem Buch steckt, ist Claudia Giesdorf. Ich hatte das Glück, Claudia vor einigen Jahren bei einem Bookbrunch in Berlin kennenzulernen. Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass sie mir von Beginn an sympathisch war. Aus diesem Grund verfolge ich sie und ihre Arbeit seitdem und warte immer mit großer Spannung auf ein neues Buch von ihr. Ihre Thriller („Seelenschnitte„, „Das Licht am Ende“ und eben „Blinde Lüge„) sind für mich genial geschrieben, facettenreich und fitzekesk. Wenn ihr also mal wieder auf der Suche nach einem Thriller seid, der euch bis zur letzten Seite umhaut, dann lege ich euch Claudias Bücher ans Herz. Und weil ich so begeistert von ihr als Person und ihrer Arbeit bin, habe ich sie um ein Interview gebeten. Wir beide wünschen euch jetzt viel Spaß! (Und hier könnt ihr direkt auf Instagram bei ihr vorbeischauen)
Vorab noch ein paar Informationen zu Claudia Giesdorf:

Claudia Giesdorf wurde 1982 in Rheinland-Pfalz geboren. Kurz nach der Wende zog sie mit ihrer Familie nach Berlin, wo sie noch heute mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Ihre Leidenschaft für Bücher kristallisierte sich schon im Alter von fünf Jahren heraus, als sie ihre Eltern anbettelte, ihr Lesen beizubringen. Seitdem ist kein Buch und kein leeres Blatt vor ihr sicher.
Unter ihrem Pseudonym sind bereits drei Liebesromane mit Krimielementen erschienen.
Liebe Claudia, wie würdest du dich selbst in drei Sätzen beschreiben?
Wann immer ich mich in wenigen Sätzen beschreiben oder bei Instagram sieben Fakten über mich posten soll, streikt mein Hirn 😀 Dennoch: Ich arbeite seit 2015 als Autorin, habe aber eigentlich Klassische Archäologie studiert. Ich bin einerseits chaotisch, aber dann auch wieder strukturiert, bin lustig, kann aber auch ernst sein, bin faul, mache aber jeden Tag Sport, liebe ungesundes Essen, ernähre mich aber meistens gesund, liebe meine Familie, bin aber auch gerne allein, gehe gern in Museen, Theater und zu Ausstellungen, sitze aber genauso gern vor dem Fernseher und lasse mich von Netflix berieseln.
Du hast ja bevor du Thriller geschrieben hast, bereits unter einem Pseudonym Romane veröffentlicht. Wie bist du generell darauf gekommen, Bücher zu schreiben?
Meine erste Geschichte habe ich mit ungefähr zehn Jahren geschrieben, dann erst wieder als ich im Konfirmationsunterricht saß und mir die Idee kam, über einen Vampirjungen zu schreiben, der sich in ein sterbliches Mädchen verliebt hat. Glitzern konnte er nicht, zu Ende habe ich die Geschichte tatsächlich auch nicht gebracht. Dann habe ich sehr lange relativ wenig gelesen und noch weniger geschrieben, einfach weil man mit 18 andere Sachen zu tun hat 😉 Ein paar Jahre später habe ich dann Karen Rose Bücher verschlungen und mir gedacht: Das kann ich doch auch. Und dann habe ich ein Buch geschrieben und das Exposé ganz blauäugig an den Knaur Verlag geschickt, die mir dann sofort einen Vertrag angeboten haben. Die Veröffentlichung hat zwar dann nicht geklappt, aber ich hatte sozusagen Blut geleckt.
Woher kam dann der Wunsch das Genre so radikal zu wechseln?
Tatsächlich war mein erstes Buch ein Thriller und auch die Romance-Bücher hatten einen gewissen Spannungsanteil. Nach dem dritten Roman war da diese Idee für Seelenschnitte und ich musste dem Ruf der Geschichte einfach folgen.
Hast du im Thriller-Genre dein Zuhause gefunden oder denkst du, dass du noch Abstecher in andere Genre machen wirst?
Da ich so ziemlich jedes Genre selbst lese, schließe ich es auch überhaupt nicht aus, in einem anderen Genre zu schreiben. Ich hätte auch mal richtig Lust auf Fantasy, habe aber vor dem Worldbuilding Respekt.
Woher nimmst du deine Ideen für neue Bücher? Läufst du in den Wäldern Brandenburgs herum und denkst dir: „Was ist, wenn hier jetzt ein altes Herrenhaus steht, in dem es vermeintlich spukt?“
Fast 😊 Tatsächlich ist das sehr unterschiedlich. Seelenschnitte beginnt ja mit einem Traum, den meine Protagonistin hat, und den ich selbst geträumt habe. Bei Das Licht am Ende hatte ich das Ende so genau im Kopf und der Weg dahin war mir so klar, dass sich dieses Buch fast wie von selbst geschrieben hat. Blinde Lüge war ein bisschen komplizierter, da ich die Idee für eine Szene ungefähr in der Mitte hatte.
Haben deine Bücher einen realen Ursprung oder ein reales Vorbild? Existieren die Orte tatsächlich oder hast du die Figuren in Anlehnung an bestehende Personen geschrieben?
Bei der Recherche bin ich schon sehr genau. In Seelenschnitte spielte ein kleiner Teil auf Mallorca, so dass ich meine Familie nötigte, genau dort Urlaub zu machen, die Wälder Bayerns, wo mein Mann herkommt, haben mich für Das Licht am Ende inspiriert. Generell kann meine Familie ein Lied davon singen, wo sie schon überall zu Recherchezwecken hinmussten. Aber da es unter Umständen ziemlich heikel sein kann, reale Orte zu nennen (bspw. ein kleines Dorf in Brandenburg, in dem ohnehin nur drei Leute leben, könnte es schwierig in Bezug auf die Persönlichkeitsrechte sein, wenn sich jemand angesprochen fühlt), vermeide ich das.
Wie läuft der Prozess des Schreibens bei dir ab? Greifst du die Ideen, wenn sie gerade da sind oder setzt du dich aktiv hin und bist du auf Knopfdruck kreativ?
Früher habe ich am allerliebsten abends geschrieben, weil es einfach mehr zur Stimmung passt, aber seitdem ich eine Tochter habe, geht das leider nicht mehr, so dass ich mich quasi an normale Bürozeiten halte. Von morgens bis Schulende schreibe ich, danach verschicke ich Bücher, beantworte Mails, kümmere mich um Social Media.
Speziell auf das Psychothriller-Genre bezogen: Was ist zuerst da? Das Ende und die Lösung des ganzen Problems oder ein verstrickter Beginn, den du selbst noch entknoten musst?
Total unterschiedlich bisher! Allerdings ist es deutlich leichter das Buch zu schreiben, wenn das Ende klar ist.
Sympathisierst du mit den „Tätern“ aus deinen Büchern oder sind deine Sympathien ausschließlich auf der Seite des Opfers?
In den letzten Jahren verschwimmen für mich die Grenzen hier immer mehr. Jeder kann zum/r Täter*in werden, wenn der Auslöser stimmt. Jeder kann leider unverschuldet zum Opfer werden.
Gibt es Tricks, eine unvorhersehbare Geschichte zu schreiben? Blickst du selbst immer so ganz durch oder verwirrst du dich auch manchmal selbst?
Glaube, der Trick ist, zu wissen, wie es enden soll, aber sich dann eine Zwischenstation zu überlegen und erst einmal alles dorthin führen zu lassen.
Kannst du deine Bücher nachts schreiben? Ich selbst konnte – ehrlich gesagt – deine Bücher nicht nachts lesen. Davor hatte ich zu große Angst. Ich brauchte die Sonne, das Vogelgezwitscher und die trügerische Sicherheit des Tages. Geht es dir da auch so oder stört dich das gar nicht?
Ich könnte sie nachts schreiben, aber da mein Tag bereits um 6.00 Uhr beginnt, ist mein Akku nachts leer 😉
Was sind deine Essentials zum Schreiben?
Super langweilig – Kaffee morgens, Wasser den restlichen Tag über. Und eine Playlist, die ich zum Buch erstelle.
Was sind deine Lieblingsstellen aus deinen Büchern? Gibt es einen Lieblingssatz oder ein Lieblingswort?
Bei Das Licht am Ende ist es definitiv das Ende. Und vielleicht einfach generell der Moment, an dem die Heldin entdeckt, welche Stärke in ihr steckt und dass sie sie im entscheidenden Augenblick abrufen kann.
Und was war der schönste Moment, den du in Bezug auf deine Karriere als Autorin bereits erlebt hast?
Vermutlich würde man denken, dass jetzt „große“ Momente kommen, aber mir bedeuten die kleinen die Welt. Wenn sich jemand nach dem Lesen meiner Bücher die Mühe macht, mich persönlich anzuschreiben. Wenn es Menschen gibt, die ihren Freundeskreis mit mir „infiziert“ haben oder die ihre Buchhändlerin bitten, mein Buch in den Laden zu legen. All das ist für mich und meine Arbeit eine große Wertschätzung.
Gibt es etwas, was du gerne noch in Sachen Schreiben erreichen möchtest oder gerne mal ausprobieren wollen würdest?
Ich will so einen blöden Spiegelbestselleraufkleber, damit ich dann in den Instagramstorys zugucken kann, wie alle den abpuhlen 😉
Was würdest du Menschen, die gerade anfangen zu schreiben, mit auf den Weg geben wollen?
Eigentlich gar nichts, weil wenn ich eins gelernt habe, dann dass es weder beim Schreiben noch beim Publizieren deneinen Weg gibt. Manche müssen in Bezug auf Schreiben sehr viel lernen. Sei es der Aufbau einer Geschichte oder die Sprachwahl, andere können all das „einfach so“. Es gibt Autorinnen, die reichen ein Exposé ein, bekommen einen Verlagsvertrag und sind von dem Moment an Bestsellerautorinnen, bei anderen ist der Weg dorthin lang und steinig und voller Absagen. Für manche ist Selfpublishing super, andere werden es da nie weit schaffen, weil es ihnen nicht so sehr liegt, ihre Bücher und letztendlich auch sich selbst zu vermarkten. Daher ist es oftmals nicht schlecht, andere auszublenden und auf sich zuhören.
Vielen Dank an Claudia! 💛
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