Als ich auf „Baby & Solo“ gestoßen bin, habe ich nicht geahnt, was dieses Buch in mir auslösen würde. Ich habe in euch in den letzten Wochen auf Instagram schon immer mal wieder von diesem Buch berichtet und möchte euch jetzt noch einmal ausführlich meine Meinung aufschreiben.
Klappentext:
Lisabeth Posthuma über wahre Freundschaft, die auch die größten Geheimnisse verkraftet. Für Fans von John Green und Benedict Wells
Der Teilzeitjob in einer Videothek verspricht endlich den Neubeginn, den Joel so lange herbeigesehnt hat. Nach jahrelanger Therapie will er die Vergangenheit hinter sich lassen. Seine neue Stelle scheint perfekt dafür: Dort darf er sich sogar einen anderen Namen geben – „Solo“, wie aus seinem Lieblingsfilm Star Wars. Endlich ein unbeschriebenes Blatt sein. Er punktet bei den Kollegen mit Ratschlägen, die er sich von Motivationspostern borgt, und freundet sich mit der schlagfertigen Nicole alias „Baby“ an, die seine Filmliebe teilt. Doch zu einer Freundschaft gehört auch Offenheit, und Nicole ahnt, dass Joel etwas verschweigt. Er muss sich entscheiden: Gibt er mehr von sich preis – oder setzt er ihre Freundschaft aufs Spiel?
Was passiert in „Baby & Solo“?
Solo ist in Therapie und sein Therapeut Dr. Singh ermutigt ihn, sich auszuprobieren und einen Nebenjob zu beginnen. Daraufhin stößt Joel – wie Solo eigentlich heißt – auf eine freie Stelle in einer Videothek. Dort kennt ihn niemand und Solo kann neu anfangen. Direkt mit einer Namensänderung, da in der Videothek alle Mitarbeiter*innen sich nach ihren liebsten Filmfiguren benannt haben. Und Joels liebster Film ist Star Wars und er benennt sich nach Han Solo. Daraus wird schnell nur Solo, weil die Chefin sich verschrieben hat und er stattdessen „Hans Solo“ geheißen hätte. Baby arbeitet ebenfalls in der Videothek und heißt eigentlich Nicole. Sie wirkt zunächst sehr geheimnisvoll und verschlossen, teilt mit Solo aber schnell intime Geheimnisse. Einer ihrer ersten gemeinsamen Ausflüge geht beispielsweise in eine Abtreibungsklinik. Doch auch Solo hat ein großes Geheimnis, das er für sich behalten möchte und am liebsten in der Vergangenheit belassen möchte. Allerdings ist es ein Thema, was die Eltern von Solo noch sehr beschäftigt und immer wieder aufkommt.
Doch wird er sich Baby anvertrauen können oder die Vergangenheit für sich belassen?
Der erste Satz:
»Ich glaube, Joel ist so weit«, fasste Dr. Singh zusammen.
-Seite 9, Teil Eins, Royal Oak, Michigan – August 1996

Wie hat mir „Baby & Solo“ gefallen?
Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass in „Baby & Solo“ auch Themen behandelt werden, die für einige Leser*innen schwierig sein können. Leider gab es keine Triggerwarnung vorne oder hinten im Buch, obwohl ich der Meinung bin, dass sie an dieser Stelle angebracht sein könnte.
Folgende Themen sind im Buch enthalten, die potenziell für einige Leser*innen schwierig sein können (Achtung: Es könnt auch spoilernd sein, aber ich finde, dass es wichtig ist, zu wissen, worauf man sich einlässt, wenn es nicht im Klappentext etc. ersichtlich ist): Tod bzw. Suizid, Schizophrenie, Transphobie, Abtreibung, toxische Beziehung.
Ich muss sagen, dass ich prinzipiell der Meinung bin, dass jedes Buch zum richtigen Zeitpunkt zu einem Herzensbuch werden kann. Bei „Baby & Solo“ hat in meinem Fall so viel gestimmt. Ich rieche jetzt noch das Meer und spüre die Sonne auf meiner Haut, wenn ich an die Geschichte zurückdenke, obwohl das Buch weder am Meer spielt noch von vielen sommerlichen Eindrücken berichtet.
Es fiel mir unglaublich leicht, in die Geschichte abzutauchen und das Setting zu verstehen. Wir starten in einer Therapiesitzung von Solo/Joel, in der er ermutigt wird, sich einen Nebenjob zu suchen. Hier werden auch schon die wichtigsten Charaktere eingeführt. Zum einen ist da natürlich Solo/Joel sowie seine Eltern aber auch der Therapeut Dr. Singh. Im Laufe der ersten Kapitel lernen wir auch Baby und die anderen Mitarbeiter*innen der Videothek kennen. Ich persönlich habe ja große Probleme, mir Namen von Figuren zu merken und sie richtig zuzuordnen. Aber in diesem Buch ist es mir erstaunlich leicht gefallen, ob wohl es durch die verschiedenen Mitarbeiter*innen doch einige Nebenfiguren gibt.
Solo ist ein interessanter Charakter, über den man im Laufe der Handlung immer mehr erfährt. Zwischendurch wird nämlich ein Teil seiner Vergangenheit erzählt und wir lernen, warum er so empathisch auf andere Menschen reagiert und weshalb es in seiner Familie schwierig ist… Ich mochte ihn als Protagonisten sehr gerne und habe mich in seinen Gedanken häufig wiedergefunden.
Obwohl das Buch auch nach Baby benannt ist, lernt man erstaunlich wenig über sie, da wir immer nur aus der Sicht von Solo etwas über sie erfahren. Aber auch sie ist eine vielschichtige Person, über die ich gerne mehr herausgefunden hätte. Mein Gefühl war, dass ihre Rolle in dem Buch darin bestand, Solo auf seinem Weg zu begleiten und ihn auf den richtigen Weg zu bringen.
Wer mir besonders bitter in Erinnerung geblieben ist, ist die Mama von Solo. Ich werde im Folgenden nicht näher darauf eingehen, da das spoilern könnte, allerdings ist mir durchaus bewusst, dass der Charakter extra so geschrieben worden ist. Vermutlich gibt es viele Menschen (und besonders Eltern), die so denken und ihre Kinder auf diese Weise „beschützen“ wollen, aber in mir hat es Unverständnis und Wut ausgelöst…
Der Handlungsverlauf war leicht und ist so vor sich hingeplätschert. Es gab zwischendurch einige Anspielungen an die Filme der 90er-Jahre und die Musik dieser Zeit, was mir sehr gefallen hat. Außerdem hat es mich gefreut, dass die Handlung oft in einer Videothek gespielt hat. Sowas habe ich noch nie gelesen und fand es innovativ.
Schlussendlich würde ich „Baby & Solo“ Menschen ans Herz legen, die mit den oben genannten Themen keine Probleme haben und die auf der Suche nach einer berührenden Geschichte über Freundschaft, Entwicklung und Wachstum sind. Ich konnte durch dieses Buch viele Gefühle mitnehmen und würde es sogar mit Jugendbuchbestsellern wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ vergleichen.
Und hier könnt ihr euch das Buch auch einmal selbst ansehen 😉
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „Baby & Solo“
Autorin: Lisabeth Posthuma
Übersetzung: Sophie Zeitz
Titel: Baby & Solo
Verlag: Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-27119-7
Preis: 19,-€ für das Hardcover
Seiten: 432
Erschienen am: 23. August 2021
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