Das Jahr 2021 habe ich mit „Diese eine Lüge“ begonnen und wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwarten wird, als ich das Buch aufgeschlagen habe. Also habe ich mich überraschen lassen …
Klappentext:
Die Suche nach dem leiblichen Vater – emotionales Buch fürs Herz für Mädchen ab 13.
Eine Lüge! Delias ganzes Leben basiert auf einer Lüge, denn ihr Vater ist nicht ihr leiblicher Vater. Diese Erkenntnis wirft Millionen von Fragen auf, weckt Wünsche, sät Zweifel. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Trost findet das Mädchen nur bei Kodiak, dem Jungen mit der Gitarre, der Gedichte schreibt. Doch er ist auch der Junge mit der dunklen Vergangenheit, vor dem alle warnen …
Ein berührender Roman über die eigenen Wurzeln, Identität und die Liebe in all ihren Facetten
Was passiert in „Diese eine Lüge “?
Delia lebt in Alaska und muss in ihrem Abschlussjahr an der Schule noch ein Projekt bearbeiten. Sie entscheidet sich für die lyrische Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte. Mithilfe eines Gentests möchte sie mehr über ihre Wurzeln erfahren, da sie sich seit langer Zeit anders und nicht zugehörig fühlt. Und das Ergebnis des Tests bestätigt ihre langgehegte Angst. Sie hat nicht das gleiche Erbgut wie ihr Vater. Zunächst denkt sie, dass sie adoptiert wurde, allerdings hat sie das gleiche Erbgut wie ihre Mutter, weshalb ihr klar wird, dass ihre Mutter ihren Vater betrogen hat. Ein großer Schock für das junge Mädchen. An ihrer Seite ist ihr Projektpartner Kodiak, der bereits selbst schwierige Zeiten erlebt hat. Alle warnen Delia vor Kodiak, weil er sie auf falsche Bahnen lenken könnte. Doch für Delia ist er der einzige Halt, den sie noch hat…
Findet sie heraus, wer ihr leiblicher Vater ist und was passiert nun mit ihrem shakespeareliebenden Vater, der doch gar nicht ihr Vater ist?
Der erste Satz:
„Meine Eltern schufen alles nach dem Bildnis
einer perfekten Familie in Alaska.“

Wie hat mir „Diese eine Lüge“ gefallen?
Dieses Buch ist so außergewöhnlich, dass ich es schade finde, dass bisher – nach meiner Wahrnehmung – so wenig darüber gesprochen wurde. „Diese eine Lüge“ wurde in Gedichten, Chatverläufen und E-Mail-Konversationen geschrieben. So blieb für mich als Leserin viel Interpretationsspielraum, was ich unglaublich spannend fand. Ich habe mich Situationen ausgemalt, wie sie passiert sind und hatte als Grundlage nur die poetischen Texte der Protagonistin.
Dann kommt noch das Thema hinzu. Identität ist für viele Jugendliche ein einnehmendes Thema im Alltag. Ich habe mich selbst lang und sehr oft damit beschäftigt – ohne die absolute Antwort gefunden zu haben. Delia ist einem Familiengeheimnis auf der Spur, das ihr ganzes Leben aus der Bahn wirft. Das Gefühl, was sie zu Beginn schildert – nicht wirklich in die Familie zu passen, irgendwie anders zu sein -, kennen sicherlich viele Leser*innen. Deshalb wirkt Delias Geschichte auch so nahbar und ihre Gefühle sprangen direkt auf mich über.
Der Handlungsverlauf ist trotz der besonderen Schreibweise unvorhersehbar und war für mich packend. Es gibt auf vielen Ebenen Entwicklungen bei der Protagonistin Delia. Zum einen natürlich familiär, dann zu ihrem leiblichen Vater, zu Kodiak und dann auch noch persönlich. In diesen Punkten war der Schreibstil ein wenig hinderlich, da ich mir vorstellen kann, dass einige Gespräche oder Handlungen untergegangen sind. Nichtsdestotrotz habe ich viel zwischen den Zeilen gelesen und mir die Teile gedacht, die nicht explizit gedruckt waren.
Der Umgang mit dem Thema „Vaterschaft“ und „Familie“ hat mich berührt. Wann ist ein Vater ein Vater? Sobald er das gleiche Erbgut mit seinem Kind hat oder sobald er dem Kind Charaktereigenschaften mitgibt und prägt? Besonders dieser Aspekt des Buches hat mich begeistert und emotional werden lassen.
Problematisch finde ich die Beschreibung des Verlags, dass dieses Buch „für Mädchen ab 13 Jahren“ empfohlen wird. Da ich die Unterscheidung in Gender überholt finde. Ich frage mich, warum Jungen dieses Buch nicht lesen sollten. Immerhin habe viele auch Probleme mit ihrer Identität oder sogar mit ähnlichen Problemen wie Delia zu kämpfen. Deshalb finde ich, dass diese Beschreibung von Leser*innen nicht so ernst genommen werden sollte und potentiell von Verlagen nochmal überdenkt werden sollte.
Schlussendlich kann ich mir vorstellen, dass das Buch nicht für jeden Leser/jede Leserin etwas ist. Bei mir kommt es auch sehr auf die Stimmung an, ob ich mit lyrisch geschriebenen Büchern etwas anfangen kann. Doch in diesem Fall hat alles gestimmt und ich konnte mich völlig auf die Geschichte einlassen. Ich kann „Diese eine Lüge“ von Dante Medema Leser*innen empfehlen, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind und mal eine andere Leseerfahrung machen wollen.
Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen 😉
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „Diese eine Lüge“
Autorin: Dante Medema
Übersetzung: Bettina Obrecht
Titel: Diese eine Lüge
Verlag: Thienemann-Esslinger
ISBN 978-3-522-20271-8
Preis: 18,-€ für das Hardcover
Seiten: 384
Erschienen am: 15. Oktober 2020
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