Als ich gesehen habe, dass Holly Bourne ein neues Buch veröffentlicht, hatte ich große Erwartungen, weil ich ihre Spinster-Reihe sehr gemocht habe. Das Thema „Älterwerden und der Umgang damit“ habe ich schon oft in Büchern vorgefunden, weshalb ich dahingehend eigentlich keine Zweifel hatte, dass mir das Buch gefallen wird.
Klappentext:
Tori Bailey hat alles: Mit ihrem Selbsthilfebuch hat sie Millionen Frauen inspiriert, sie ist beliebt und führt eine perfekte Beziehung. Doch der Schein trügt. Toris Beziehung ist schon länger eine Lüge, die sie sich nicht eingestehen will. Noch dazu heiraten alle um sie herum, bekommen Kinder und scheinen so viel glücklicher, als sie selbst es in Wahrheit ist. Als dann auch noch Dee – ihre beste Freundin und einzige Person, die sie und den ganzen Wahnsinn versteht – den Mann ihrer Träume trifft, scheint Tori endgültig auf der Strecke zu bleiben. Ihre innere Stimme sagt, dass man auch mit über dreißig das Recht hat, nicht perfekt, aber glücklich zu sein. Aber ist Tori mutig genug, auf sie zu hören?
Was passiert in „War’s das jetzt? “?
Tori hat mit ihrem Buch „Verdammt nochmal, wer bin ich bloß?“ viel Aufmerksamkeit auf ihre Person gezogen. Sie hat mit ihren Leser*innen geteilt, wie sie auf die Reise gegangen ist, sich selbst zu finden und im Endeffekt den Felsenmann gefunden hat. Der Felsenmann ist Tom. Er ist noch immer – Jahre nachdem das Buch veröffentlicht wurde – an Toris Seite, doch nicht so, wie Tori es sich immer ausgemalt hat. Kein Ring an ihrem Finger, kein erfüllender Sex und keine Aussicht auf gemeinsame Kinder. Bei Interviews und Signierstunden muss sie immer die glückliche und selbstbewusste Frau spielen, damit ihre Leser*innen auch an die Botschaft in ihrem Buch glauben können. Zuhause angekommen ist das einzige Lebewesen, welches sich über ihre Ankunft freut, ihre Katze Katz. Ablenkung findet Tori bei ihrer besten Freundin Dee, mit der sie auch zu Beginn auf eine Hochzeit geht. Dass sich ihr gesamtes Leben auf dieser Hochzeit ändern wird, damit hat weder Dee noch Tori gerechnet. Denn auf dieser Feier lernt Dee Nigel kennen und verliebt sich in ihn. Wieder ist Tori allein und muss sich eingestehen, dass doch alle Menschen um sie herum glücklicher sind…
Der erste Satz:
„Ich blicke hinaus in ein Meer von feierlich-ernsten Gesichtern“
– Erster Monat

Wie hat mir „War’s das jetzt?“ gefallen?
Puh, ich bin leider enttäuscht worden… Ich habe das Buch von meinem SuB genommen, in der Hoffnung, dass es ein Feelgood-Buch für Zwischendurch ist. Aber entweder ich bin mit völlig falschen Vorstellungen daran gegangen oder ich war einfach die falsche Person…
Die Aufmachung des Buches ist simpel. Auf dem Cover sehen wir – vermutlich – Tori vor einem blau-gelb gestreiften Hintergrund. Innen setzt sich das gestreifte Muster vor und unterteilt das Buch in mehrere Monate. Anfänglich bin ich noch davon ausgegangen, dass dies einen tieferen Sinn hat, aber im Endeffekt war es einfach nur eine zeitliche Einteilung. Zwischendurch werden immer wieder Postings von Tori oder Menschen aus ihrer Umgebung eingebettet, sodass die Leser*innen mitbekommen, wie alles um Tori herum schwanger wird, heiratet oder einfach nur unglaublich glücklich ist. (Kleine Randnotiz: Bei Toris Beiträgen hat es mich immer unglaublich gestört, dass in jedem Satz „verdammt/Verdammte“ vorkam. Es sollte eine Anlehnung an ihr erstes Buch sein, aber ich fand es einfach nur störend.)
Die Voraussetzungen, mit denen wir in die Geschichte starten, waren eigentlich ideal für eine Feelgood-Geschichte. Eine unglückliche Autorin in einer schrecklichen Beziehung und um sie herum werden alle Frauen Mütter oder Ehefrauen. Was daraus dann gemacht worden ist, hat mich einfach gelangweilt. Ich bin davon ausgegangen, dass Tori ihren Felsenmann verlässt und ein selbstbestimmtes und glückliches Leben anfängt (nachdem es am Anfang eher nicht so ausgesehen hat). Allerdings plätscherte die Geschichte nur so vor sich hin und jedes Kapitel ähnelte dem vorher.
Wenn die Protagonistin Tori eine sympathische und freundliche Frau gewesen wäre, dann hätte ich auch darüber hinwegsehen können. Aber das ist mein größter Kritikpunkt. Tori ist einfach nur eine unsympathische Frau. Durch die Erzählweise lesen wir ihre Gedanken und es hat mich teilweise verzweifeln lassen, was sie über ihre „Freunde“ oder ihren Partner denkt. Meine Hoffnung war es, dass Tori die Erkenntnis gewinnen wird, dass sie so nicht glücklich wird und ihre Denkweise ändern wird, aber dem war nicht so und sie blieb – in meinen Augen – das ganze Buch über unsympathisch.
Eine Hoffnung waren die Nebencharaktere wie ihre beste Freundin Dee. Ich mochte Dee ganz gerne, weil sie die lockere Sicht auf die Dinge gebracht hat. Aber als sie dann schwanger geworden ist, hat sich Tori zu ihr distanziert, was ich extrem schade fand. Generell wurden die Geschichten um ihre Freundschaften nicht zu Ende erzählt, sodass die Leser*innen in der Luft hängen…
Ein positiver Aspekt an dem Buch war die Schreibweise der Autorin Holly Bourne. Die Ortsbeschreibungen haben mir sehr gut gefallen, weil ich es mir bildlich vorstellen konnte, wo Tori sich gerade befindet.
Schlussendlich bin ich einfach der Meinung, dass ich nicht die richtige Adressatin für „War’s das jetzt?“ war. Potenziell hat es mich einfach zur falschen Zeit erwischt oder einfach nicht meine Anforderungen erfüllt. Statt mich zum Schmunzeln zu bringen, hat es mich unglücklich und wütend gemacht. Ich habe aber auch schon andere Stimmen gehört, die das Buch als schonungslos ehrlich beschrieben haben und es als lesenswert bewertet haben. Ich kann mir vorstellen, dass es für Leser*innen interessant sein könnte, die sich in einer ähnlich unglücklichen Situation befinden und keine Lust auf Gute-Laune-Tipps haben.
Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen 😉
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „War’s das jetzt?“
Autorin: Holly Bourne
Übersetzung: Nina Frey
Titel: War’s das jetzt?
Verlag: bold bei dtv
ISBN 978-3423230179
Preis: 16,90€ für die Klappenbroschur
Seiten: 416
Erschienen am: 18. September 2020
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