Bei einer Buchmesse wurden die Chroniken-von-Alice-Reihe vorgestellt und schon da hat es mich gecatcht. Die Idee, dass die Geschichte von Alice aus dem Wunderland neu und horrormäßig erzählt wird, hat mich von der ersten Minute an begeistert.
Klappentext:
Folge nicht dem Kaninchen, es sei denn, du wünschst dir noch mehr Tod und noch mehr Irrsinn …
Seit zehn Jahren ist Alice in einem düsteren Hospital gefangen. Alle halten sie für verrückt, während sie selbst sich an nichts erinnert. Weder, warum sie sich an diesem grausamen Ort befindet, noch, warum sie jede Nacht Albträume von einem Mann mit Kaninchenohren quälen. Als ein Feuer im Hospital ausbricht, gelingt Alice die Flucht. An ihrer Seite ist ihr einziger Freund: Hatcher, der geisteskranke Axtmörder aus der Nachbarzelle. Doch nicht nur Alice und Hatcher sind frei. Ein dunkles Wesen ist ebenfalls entkommen und jagt die beiden. Erst wenn Alice dieses Ungeheuer besiegt, wird sie die Wahrheit über sich herausfinden – und was das weiße Kaninchen ihr angetan hat …
Warnung: enthält explizite körperliche sowie seelische Gewaltszenen.
Was passiert in „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“?
Alice sitzt seit mehreren Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, weil sie völlig verdreckt und geistig umnachtet aufgefunden wurde und ständig nur von einem weißen Kaninchen geredet hat. In diesem Krankenhaus passiert jeden Tag nur das gleiche und es gibt das gleiche Essen. Eines Tages denkt Alice schon, dass ihr Kopf ihr wieder einen Streich spielt, weil sie plötzlich eine Stimme hört, die nur aus dem Mauseloch am Boden kommen können. Doch es ist keine sprechende Maus, sondern ihr Nachbar Hatcher. Die beiden werden richtig gute Freunde und begleiten den jeweils anderen in schwierigen Zeiten. Alice hört, wenn Hatcher wieder von seinen Gedanken übermannt wird und die Pfleger ihn beruhigen müssen. Während einer Nacht träumt Alice von dem Jabberwock, der ihr seit ihrer Begegnung mit dem Kaninchen erscheint. Er möchte frei und legt dafür ein Feuer. Plötzlich wird Alice unsanft geweckt. Es ist Hatcher, der versucht Alice aus ihrer Zelle zu befreien. Das Krankenhaus brennt. Der Jabberwock war im Keller des Krankenhauses und hat sich nun befreit. Davon sind die beiden überzeugt. Sie schaffen es, sich zu befreien und über die Fenster in den stinkenden Fluss zu flüchten. In der alten Stadt angekommen, beginnt die Flucht von Neuem. Dort laufen hauptsächlich böse Gestalten herum, die sich nur all zu gerne an einem jungen Mädchen wie Alice vergreifen. Doch wohin sollen sie gehen und was machen sie mit Alice Vergangenheit, dem weißen Kaninchen und dem Jabberwock?
Der erste Satz:
„Wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellte, sich bis ganz nach oben streckte, die Wange an die Wand legte und den Kopf nach links drehte, konnte sie durch die Gitterstäbe gerade so den Rand des Mondes sehen.“
– Kaptel 1, Seite 7

Wie hat mir „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ gefallen?
Puh, dieses Buch ist wirklich nichts für schwache Nerven. Im ersten Teil der Chroniken-von-Alice-Reihe geht es ganz schön brutal zu.
Zunächst einmal: das Setting. Es wurde zwar nie so wirklich erwähnt, aber ich denke, dass die Geschichte etwa vor mindestens 200 Jahren gespielt hat. Auf mich wirkte die Handlung sehr „alt“, weil auch keine modernen Geräte oder Anzeichen zu finden waren. Es wäre schön gewesen, wenn die Autorin bewusster auf Umgebungsbeschreibungen eingegangen wäre. Hierbei wird viel auf die Vorstellungskraft der Leser*innen umgewälzt.
Die Charaktere sind unfassbar vielschichtig gestaltet worden. Neben Hatcher und Alice, die die tragenden Figuren der Handlung sind, gibt es natürlich noch die Bösewichte, bei mit dem Kaninchen, dem Jabberwock und Grinser nur einige zu nennen. Ich habe mich beim Lesen irgendwie darauf eingestellt, wirklich auf ein Kaninchen oder die Katze Grinser zu treffen. Aber es handelt sich dabei um menschliche Charaktere, mit weniger menschlichen Eigenschaften. Denn obwohl, es kein Märchen-/Kinderbuch mehr ist, gibt es trotzdem Figuren mit magischen Fähigkeiten. Allerdings nutzen viele der Charaktere ihre Mächte für die falschen Zwecke.
Der Handlungsverlauf ist interessant gestaltet. Im Nachhinein könnte man sagen, dass man sich grob vorstellen konnte, dass Alice und Hatcher diese Wege gehen werden. Dennoch war die Ausgestaltung dessen, was wirklich passiert, unvorhersehbar. Ich habe vorher nicht ahnen können, wie grausam diese Geschichte wirklich werden wird. Es wird schonungslos über Vergewaltigungen gesprochen und hierbei auch von Mädchen, die vor aller Augen gequält werden. Das wollte ich mir alles gar nicht so bildlich vorstellen.
Die Gestaltung des Covers und der Buchschnitt sind meiner Meinung nach absolut gelungen. Dadurch, dass die folgenden Teile ebenfalls schon bekannt gegeben wurden, sieht man den roten Faden und die einheitliche Gestaltung. Als Highlight empfand ich den Buchschnitt, der die Kaninchenspuren zeigt, die im Einband schon angesprochen wurden.
Die Aufteilung im Buch gefiel mir auch sehr gut. Es waren gut lesbare Kapitel, die auch für müde Personen wie mich, am Abend noch gut zu lesen waren.
Schlussendlich habe ich „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ als sehr gelungen wahrgenommen. Ich möchte ausdrücklich nochmals davor warnen, dass das Buch teilweise sehr grausam ist. Aber dennoch ein großartiges Buch, das Lust auf mehr macht. Ich würde das Buch den (erwachsenen) Fans von Alice im Wunderland ans Herz legen.
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“
Autorin: Christina Henry
Übersetzung: Sigrun Zühlke
Titel: Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland
Verlag: penhaligon in der Randomhouse Verlagsgruppe
ISBN 978-3-7645-3234-5
Preis: 18€ für das Hardcover
Seiten: 352
Erschienen am: 16. März 2020
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