„Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek: Ein nervenaufreibender Thriller über Angst, Isolation und den Weg nach Hause (Rezension)

Wie jedes Jahr, wenn sich die Blätter langsam färben, steigt die Vorfreude auf den neuen Thriller von Sebastian Fitzek. Dieses Jahr soll sich alles um das Begleittelefon drehen, von dem ich vorher auch schon einmal gehört habe. Jeden Tag seit dem Erscheinungstermin habe ich gehofft, dass das Buch bei mir erscheint und habe die Postbotin abgepasst. Ironie des Schicksals: Ich bin weg gewesen, weil die Postbotin für den Tag schon weg war und der Paketbote kam und brachte das Buch.

Edit: Seit Januar 2025 gibt es eine Verfilmung des Buches auf Amazon Prime. Meine Meinung zu dieser Buchverfilmung findet ihr in diesem verlinkten Beitrag „Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek als Amazon Prime-Film: Wie gut ist die Verfilmung? (Rezension)

Klappentext:

Wer das Datum seines Todes kennt, hat mit dem Sterben schon begonnen – der neue Bestseller von Sebastian Fitzek!

Es ist Samstag, kurz nach 22.00 Uhr. Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon. Ein ehrenamtlicher Telefonservice für Frauen, die zu später Stunde auf ihrem Heimweg Angst bekommen und sich einen telefonischen Begleiter wünschen, dessen beruhigende Stimme sie sicher durch die Nacht nach Hause führt – oder im Notfall Hilfe ruft.

Noch nie gab es eine wirklich lebensgefährliche Situation. Bis heute, als Jules mit Klara spricht.

Die junge Frau hat entsetzliche Angst. Sie glaubt, von einem Mann verfolgt zu werden, der sie schon einmal überfallen hat und der mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht in nicht einmal zwei Stunden an …

Geheimnisvoll, beklemmend, nervenaufreibend. Sebastian Fitzeks bislang unheimlichster Psychothriller.

 Was passiert in „Der Heimweg“?

Jules übernimmt für seinen Kumpel Caesar die Schicht am Begleittelefon, bei dem Frauen, die auf ihrem Heimweg Angst haben, anrufen können, um sich von einer beruhigenden Stimme begleiten zu lassen. Kurz nachdem er den Laptop, mit dem er die Anrufe entgegennimmt, hochgefahren hat, beginnt der erste Anruf. Wie sich herausstellt, ist am anderen Ende Klara Vernes. Sie hat nicht Angst vor dem Weg nach Hause, sondern vor dem, was sie dort erwartet. Ihr Mann Martin hat ihr bereits unzählige körperliche und seelische Wunden zugefügt. Doch das ist nicht das Schlimmste. Vor einigen Wochen hat sie den Kalender-Killer getroffen und er hat ihr ihren Todestag vorhergesagt. Und der beginnt in wenigen Stunden. Jules begleitet Klara auf ihren Versuchen sich selbst (-bestimmt) das Leben zu nehmen und versucht sein Bestes sie davon abzuhalten.

Doch mit jeder Sekunde, die verstreicht, wächst die Angst in Klara, dass der Kalender-Killer ihr zuvor kommt und nicht nur ihr Leben beenden wird, sondern auch das von Jules.

Der erste Satz:

Nach all den Verletzungen, die ihr an den empfindlichsten Stellen ihres mit Blutergüssen übersäten Körpers schon beigebracht wurden; nach den Schlägen ins Gesicht, auf den Rücken,  in Nieren  und Unterleib, worauf ihr Urin für Tage die Farbe  Roter Bete annahm; nach all den Schmerzen, die er ihr mit Gartenschlauch und Bügeleisen zugefügt hatte, hätte sie niemals gedacht, so etwas jemals wieder empfinden zu können.

– Seite 11, Prolog

Wie hat mir „Der Heimweg“ gefallen?

Wie immer bei Fitzek-Büchern fällt die Inhaltsbeschreibung ein bisschen kürzer aus, um zukünftige Leser*innen nicht zu spoilern.

Ich habe mich unheimlich auf dieses Buch gefreut und habe mir schon ausgemalt, wie die Geschichte ungefähr aussehen könnte. Das Prinzip des Heimwegtelefons (wie das Begleittelefon in echt genannt wird) bietet quasi schon den Grundstoff für unheimlich viele Bücher.

Die Protagonisten Jules und Klara werden von den Leser*innen durch das komplette Buch begleitet. Die Kapitel werden nahezu abwechselnd aus ihren Perspektiven geschrieben. Dadurch begleitet man Jules in der Wohnung, während er mit Klara telefoniert und Klara auf ihrem Weg durch das Berliner Umland. Das ist ja relativ typisch für die Fitzek-Bücher, aber mir gefällt es jedes Mal aufs Neue sehr gut, da auch bei jedem Kapitel angekündigt wird, bei wem wir jetzt gerade sind. Besonders bei Klara begleiten wir sie am Anfang auch in vergangene Episoden ihres Lebens und es wird sehr gut navigiert, wo wir gerade sind. Das gefiel mir besonders gut.

Der Handlungsverlauf ist so unvorhersehbar, wie es nur bei Fitzeks Büchern sein kann. Ich als Leserin dachte in einem Moment: „Alles klar, ich weiß, wie der Hase läuft und wohin die Reise geht“ und plötzlich kam das nächste Kapitel und Bähm, alles ist anders. Wenn ihr auch auf Überraschungen und Handlungswechsel steht, dann ist das auf jeden Fall etwas für euch.

Die Aufmachung des Buches ist natürlich auch genial. Ich habe leider nicht die Limited Edition, bin aber so verliebt in sie. Der Buchschnitt ist komplett schwarz und das Cover arbeitet mit Folienbuchstaben. Auf dem Cover sieht man (vermutlich) Klara, wie sie auf dem Heimweg aus der Perspektive der Betrachter*innen davonrennt.

Verglichen mit den letzten Büchern von Sebastian Fitzek muss ich sagen, dass „Der Heimweg“ um Längen besser ist. Der Verlauf des Buches war überraschend und hat mich bis zur letzten Seite gepackt, da ich jeden Augenblick mit einer finalen Wendung gerechnet habe. Ich war komplett drin in der Geschichte und habe nach dem kleinen Punkt gesucht, der mir schon vorhersagt, was falsch an der ganzen Sache ist, aber ich bin nicht darauf gekommen.

Ja, natürlich könnte man argumentieren, dass die Geschichten unrealistisch sind und niemals so passieren würde, aber diesen Kritiker*innen empfehle ich ein Blick in das Nachwort des Buches. Mir passt es ganz gut, dass das Buch durchaus „real unrealistisch“ geschrieben wurde.

Vielleicht noch als kleine Anmerkung: Dieses Buch hätte sehr gut eine Triggerwarnung gebraucht. Es behandelt sexuelle Gewalt (innerhalb der Familie) und könnte bei Betroffenen etwas Unschönes wachrufen.

Schlussendlich habe ich in diesem Jahr noch kein Buch so sehr verschlungen, wie „Der Heimweg“ von Sebastian Fitzek. Es ist grandios geschrieben, hält die Leser*innen fest und beinhaltet eine faszinierend grausige Geschichte. Wer sein erstes Fitzek-Buch lesen möchte, kann getrost zu „Der Heimweg“ greifen und sich von der Art und Weise begeistern lassen. Leser*innen, die bereits einige Bücher von ihm gelesen haben, sollten sich dieses Buch definitiv näher ansehen.

Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen oder direkt bestellen 😉

Liebe Grüße
Eure Lin

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Informationen zu dem Buch „Der Heimweg“

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Heimweg
Verlag: Droemer Knaur
ISBN 978-3-426-28155-0
Preis: 22,90€  für die gebundene Ausgabe
Seiten: 400
Erschienen am: 21. Oktober 2020           


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