Ich habe bereits einige Bücher von Anne Freytag gelesen und war von vielen begeistert (lediglich „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ hat meinen Geschmack nicht getroffen, war aber dennoch richtig gut geschrieben). Aus diesem Grund war ich gespannt, was mich bei „Das Gegenteil von Hasen“ erwarten wird. Der Klappentext und die Vorstellung von RandomHouse haben auf jeden Fall mein Interesse geweckt.
Weitere Bücher von Anne Freytag:
– Den Mund voll ungesagter Dinge
– Nicht weg und nicht da
– Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte
Klappentext:
Sie sind in derselben Jahrgangsstufe und trotzdem in verschiedenen Welten. Julia, Marlene und Leonard im Zentrum der Aufmerksamkeit, der Rest irgendwo in ihrer Umlaufbahn. Dann geschieht etwas, das alles verändert: Eines Morgens macht plötzlich eine Internetseite die Runde, die bis dato auf privat gestellt war. Darauf zu finden sind Julias ungefilterte Gedanken, Bomben in Wortform, die sich in kürzester Zeit viral verbreiten. Es sind Einträge, die ein ganz anderes Bild des beliebten Mädchens zeigen, das alle zu kennen glauben.
Wer hinter der Aktion steckt, ist zunächst unklar, doch nach und nach kommt heraus: Gründe dafür hätten einige.
Was passiert in „Das Gegenteil von Hasen “?
Julia, Edgar, Marlene, Leonard, Linda und Momo haben nichts geahnt. Ihre einzige Gemeinsamkeit war bislang, dass sie die gleiche Schule besuchen und über Ecken miteinander verbunden sind. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Julia ihr Laptop verliert. Sie ist der festen Überzeugung, dass er in dem Jutebeutel war, den sie im Bus liegen gelassen hat. Doch Edgar – der den Beutel gefunden hat und ihr am nächsten Tag gibt – schwört, dass in dem Jutebeutel kein Laptop war. Für das beliebte Mädchen Julia fängt ein Höllentrip an. Sie weiß, was auf ihrem Laptop, der natürlich nicht passwortgeschützt ist, für schreckliche Dinge zu finden sind. Auf WordPress hat sie einen „Blog“ erstellt, auf dem offiziell nichts zu sehen ist, aber sie hat viele Beiträge geschrieben. Für sich, weil sie einfach die Gedanken aufschreiben wollte. Aber nett ist das, was da steht, nicht, weshalb sie verständlicherweise große Angst hat, dass diese Beiträge online gestellt werden.
Und das passiert auch. Ihre ungefilterten Gedanken über „Freunde“ und Personen in ihrem Umkreis werden veröffentlicht und rasend schnell über sämtliche Gruppenchats verbreitet. Jeder, der diese Beiträge liest, erfährt Julias Wahrheiten und findet so vielleicht etwas über sich selbst heraus…
Der erste Satz:
„Der Tag, an dem alles anders wurde, war ein Donnerstag.“
– Seite 7, Prolog

Wie hat mir „Das Gegenteil von Hasen“ gefallen?
Die Inhaltsangabe hätte noch viermal so lang werden können, weil dieses Buch aus den unterschiedlichsten Perspektiven geschrieben worden ist. Ich habe mir oft gedacht, dass es hier nicht nur einen Protagonisten gibt, sondern die Handlung im Fokus steht. Im ersten Moment denkt man, dass das doch eigentlich bei jeden Buch so ist. Ja, schon. Aber beim Lesen von „Das Gegenteil von Hasen“ ist mir das nochmal sehr bewusst geworden. Es geht die ganze Zeit um Julias Beiträge und um die vielen Menschen, die davon betroffen sind. Dazu gehören Edgar (der seit geraumer Zeit auf Julia steht; der mit seiner besten Freundin Linda zusammen war; der von Linda für Momo verlassen worden ist; der den Jutebeutel gefunden hat), Linda (die jahrelang von Julia gemobbt worden ist; eifersüchtig auf Julias Beziehung zu Edgar ist; die mit Momo zusammen ist; die tough ist und ein Motiv hätte, Rache an Julia zu nehmen), die Meller-Zwillinge Marlene und Leonard (beste Freundin und Partner von Julia), die Schuldirektorin, der/die Täter/in, die Anderen, die Eltern,… Also wie man erkennen kann, werden viele Perspektiven aufgezeigt und neue Motive eröffnet…
Um direkt bei den Charakteren zu bleiben: Die Rektorin. Erstmal fand ich es gut, dass auch sie Raum bekommen hat und ihre Gefühle zu der ganzen Geschichte äußern konnte. Allerdings war mir das zu wenig. Ihre Sichtweise und Sorgen waren in meinen Augen echt interessant, aber dann wurden ihr nur ein oder zwei Kapitel zugewiesen. Ansonsten hat man sie nur in den Protokollen der Elterngespräche mitbekommen und dort ja auch wenig von ihren Gedanken/Sorgen erfahren, sondern lediglich ihre Aussagen notiert.
Grundsätzlich würde ich sagen, dass es sich bei dem Buch um ein Jugendbuch mit Krimi-Anteilen handelt. Man munkelt, wer es denn jetzt war und wer das beste Motiv hätte, es Julia heimzuzahlen. Aber nichtsdestotrotz behandelt das Buch auch „klassische“ Themen wie Liebe, Eifersucht, Schule, Freundschaft und Identitätsprobleme. Durch diesen spannenden Part konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und war völlig verzweifelt, endlich einen Hinweis zu erhalten, wer denn jetzt den Laptop gestohlen hat.
Das Buch hatte einen konstanten Spannungsbogen und eine interessante Handlung. Die Idee mit den Blogbeiträge und dem ungeschützten Laptop kann ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen, weil ich nie darauf kommen würde, aber es war gut erklärt und ich konnte Julias Entscheidung dafür dann doch irgendwie nachvollziehen.
Positiv anmerken möchte ich den Schreibstil. Ich habe direkt gespürt, dass es sich hier wieder über ein Buch von Anne Freytag handelt. Die Themen und deren Umgang damit und die Leichtigkeit der Worte haben mich sofort wieder in ihren Bann gezogen. Anne Freytags Bücher stehen auch immer für Sommerlektüre in meinen Augen. Ich fühle mich wohl, wenn ich in ihre Bücher eintauche. Da wurde ich hier nicht enttäuscht. Dazu kommt ja auch wieder, dass es eine Playlist gab, die super schön designmäßig in den Buchdeckel eingebaut wurde. An manchen Stellen in der Geschichte wirkte es etwas gezwungen, dass die Charaktere nun gerade dieses Lied hören, aber oft hat es auch einfach gepasst. Generell finde ich Playlists in Büchern spannend, da so die Atmosphäre und das Feeling übertragen werden. Außerdem habe ich so das Gefühl, mehr in der Geschichte zu sein.
Das Cover hat auch zwei Seiten. Einerseits finde ich es wunderschön. Ich liebe die Doppeldeutigkeit des Hasen mit seinem Schatten, zumal mich solche optischen Täuschungen bereits länger begleiten. Auch die mintige Farbe sagt mir zu, aber ich finde die Wahl der Schriftfarbe nicht gelungen. Dadurch kann man den Titel schlecht lesen und er sticht nicht so ins Auge. Die Innengestaltung, in der das Gelb auch dominierend ist, gefällt mir wirklich gut. Nur auf dem Cover wirkt es deplatziert.
ACHTUNG SPOILER ZUM ENDE DES BUCHES
Das Ende: Das ist mein größter Minuspunkt. Dadurch, dass es eben so viele Erzählstränge waren, sind sie für mich nicht abgeschlossen gewesen. Ich habe den/die Täter/in nicht verstanden und er/sie hat im eigentlichen Buch ja auch einfach nie eine Rolle gespielt. Das fand ich persönlich super schade. In meinen Augen wäre es viel interessanter gewesen, jemand „bekannten“ als Täter fungieren zu lassen. So wurde ich als Leserin irgendwie sitzen gelassen mit dem Gefühl „Ach, und das wars jetzt?“. In meinen Augen hätte das Buch auch noch deutlich länger sein können, um die Geschichten der Hauptcharaktere zumindest abschließend zu erzählen und sie nicht mittendrin enden zu lassen. Auch die Handlung um Julias Beiträge hat irgendwie kein befriedigendes Ende gefunden. Ich hätte gerne gewusst, wie es weitergeht…
ACHTUNG SPOILER ENDE
Schlussendlich kann ich mich nicht wirklich entscheiden, ob mir dieses Buch gefallen hat oder nicht. Ich denke, dass es für Leser*innen ab 15 Jahren geeignet ist, die gerne spannende Bücher lesen und ohnehin Fan von Anne Freytag sind. Der Schreibstil und der Aufbau faszinierten mich und haben mich auch dazu gebracht, dieses Buch (in Anbetracht meiner fehlenden Zeit) relativ zügig durchzulesen. Es war fesselnd und dennoch irgendwie leicht. Für mich bleibt „Das Gegenteil von Hasen“ ein Zwiespalt. Einerseits so und andererseits so…
Und wenn ihr euch noch ein eigenes Bild von dem Buch machen wollt, schaut einfach hier vorbei 😉
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „Das Gegenteil von Hasen“
Autorin: Anne Freytag
Titel: Das Gegenteil von Hasen
Verlag: „Heyne fliegt“ aus der Random House Verlagsgruppe
ISBN 978-3-453-27280-4
Preis: 17€ für das Hardcover mit Lesebändchen
Seiten: 416
Erschienen am: 25. Mai 2020
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