„Mein geliehenes Herz“ von Shivaun Plozza – Organspende, Freundschaft und Liebe und wie es alles überhaupt nicht zusammen passt

Jeder sollte sich mal über das Thema „Organspende“ Gedanken machen (und hat das hoffentlich auch schon einmal) und sich überlegen, ob und was er im Falle des Falles spenden kann und spenden möchte. In „Mein geliehenes Herz“ steht genau dieses Thema im Mittelpunkt und ich fand es ansprechend, weil ich bisher kein Buch zu dem Thema gelesen habe.

Klappentext:

Ein Herz ist ein Herz ist ein Herz – eine mitreißende Geschichte über die Liebe, die Freundschaft und das Leben mit einem neuen Herzen.

Marlowe hat ein neues Herz bekommen und eigentlich sollte jetzt alles gut sein. Doch die Frage, wem sie das zu verdanken hat, lässt sie nicht los. Und so macht Marlowe sich auf die Suche nach der Familie ihres Spenders und findet schließlich seine Schwester. Die beiden freunden sich an, doch Marlowe verschweigt, wer sie wirklich ist. Je länger sie schweigt, desto schwieriger wird es, die Wahrheit zu sagen. Und dann ist da noch Leo von nebenan, der ihr Herz aus einem ganz anderen Grund zum Stolpern bringt.

Eine gelungene Organtransplantation nach einer schweren Krankheit heißt noch lange nicht, dass danach alles gut ist. Wer bin ich jetzt? Was will ich vom Leben, wenn ich endlich wieder normal leben kann? Wie gehe ich mit Eltern, Geschwistern und Freunden um und wie mit dem Wissen bzw. dem Nichtwissen, wer mein Spender ist oder war?
Lauter Fragen, die den Blick auf das Leben verändern und denen in diesem ebenso berührenden wie witzigen Roman für Jugendliche ausreichend Raum gegeben wird. Und eine Liebesgeschichte zum Dahinschmelzen fehlt auch nicht.

Ein packendes, feinfühliges Buch über das Leben nach einer Organtransplantation.

 

 Was passiert in „Mein geliehenes Herz“?

Marlowe ist herzkrank und hat schon viele Jahre auf ein Spenderherz gewartet. Immer wenn es stark regnet, steigt die Hoffnung bei den möglichen Empfänger. Denn so makaber es klingt, dann steigt die Zahl der Autounfälle und Spenderorgane werden zugänglich. Deshalb war sie nicht wirklich überrascht, als das Telefon klingelt und man ihr sagt, dass es ein Herz für sie gibt.

Doch damit ist die Geschichte nicht vorbei.

Marlowe möchte wissen, wer ihr zu einem neuen Leben verholfen hat und dafür sein Leben lassen musste. Sie möchte Kontakt zu der Familie aufnehmen, doch diese beantwortet keinen ihrer unzähligen Briefe. Auf Facebook stößt Marlowe auf eine Spenderfamilien-und-Organempfänger-Gruppe und sucht eine Beitrag, der zu dem Datum und zu dem Organ passt. Armando Castillejo hat seinen Sohn verloren. Marlowe schöpft Hoffnung und macht sich weiter auf die Suche nach Verwandten und findet in den Untiefen des Internets Carmen Castillejo. Die Schwester ihres möglichen Spenders. Da Marlowe nicht mit der Tür ins Haus fallen möchte (immerhin möchte die Familie keinen Kontakt zu ihr), stellt sich Marlowe als Ray vor und fängt eine Freundschaft mit Carmen an. Und die beiden verstehen sich richtig gut. Der wichtigste Punkt für Marlowe ist, dass Carmen lacht. Carmen ist glücklich. Doch Lügen haben kurze Beine und Marlowe kann nicht ewig ihren wahren Grund und ihre Vergangenheit verschweigen…

Der erste Satz:

„Stellt euch die Konfettiparade vor, als ich aus dem Krankenhaus rauskam.“
– Seite 5, Kapitel 1

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Wie hat mir „Mein geliehenes Herz“ gefallen?

In meiner Inhaltsangabe habe ich viele Nebenstorys weggelassen, die ich hier nochmal ganz kurz umreißen möchte: Marlowes kleiner Bruder Pip hat eine Schwäche für bunte und aufwendige Kostüme; Marlowes Mama ist Hardcore-Veganerin und schleppt ihre Kinder zu Protesten und zwängt ihnen ihren Lebensstil auf; Gegenüber/Nebenan von ihrem veganen Lebensmittelladen ist Matt’s Metzgerladen und da arbeitet Leo; Marlowe fängt an Gefühle für Leo zu entwickeln, obwohl ihre Begegnungen sich auf Gemeinheiten gründen,…

Also ihr seht, dass Marlowes Leben nicht wirklich einfach ist. Aber in meinen Augen steht das „geliehene Herz“ in ihrer Brust im Mittelpunkt.

Darüber habe ich mir noch nie wirkliche Gedanken gemacht. Was passiert eigentlich nach einer Organspende? Das der Empfänger natürlich wissen will, wessen Herz in seiner/ihrer Brust schlägt, ist im ersten Augenblick natürlich. Deshalb ist in meinen Augen genau dieser Punkt eine sehr gute Grundlage für eine Geschichte. Auch wenn ich Marlowes Entscheidungen nicht immer zu 100% nachvollziehen und tragen kann. Die emotionale Grundlage und die quälenden Fragen hätten für mich noch mehr ausgearbeitet werden können und noch zentraler gesetzt werden können.

Die Charaktere haben leider in meinen Augen nicht die nötige Tiefe bekommen, die sie vielleicht gebraucht hätten. Gerade Carmen als Schwester blieb für mich eher flach. Außerdem fand ich persönlich Pip als kleinen Bruder zwar süß aber sehr unrealistisch und leider auch manchmal nervig. Wenn ich daran denke, dass mein (nichtexistenter) kleiner Bruder jeden Tag aufwendig verkleidet in die Schule gehen würde, sehe ich nur, dass ihm das untersagt wird und er keine Freunde hat. Der Umgang mit diesem Charakter war irgendwie nicht passend.

Apropos Charaktere: Die Mutter. Sie ging mir leider sehr auf die Nerven, da sie wirklich eine Schreckensveganerin ist, die allen ihren Willen aufzwingen möchte. Ich persönlich kriege da das Kotzen, weil es das Klischee bedient, mit dem ich auch früher konfrontiert wurde. In privaten Szenen habe ich die Mutter auch als sehr liebevoll und herzlich erlebt, aber diese Protestaktionen und die Hasstiraden auf den Metzger und seinen Sohn hätten echt nicht sein müssen.

Die Storyline hätte in viele Richtungen gehen können (z.B. Marlowe hat eine falsche Spur, Marlowe hat die richtige Spur, Marlowe findet nie die richtige Familie, Marlowe findet durch Zufall den Spender,…). Aber ab dem Punkt, an dem viele Weichen gestellt waren, wusste man ganz gut, wohin die Reise geht und welche Stolpersteine noch kommen werden. Für mich war gerade der Reiz, zu wissen, ob Marlowe ihren Spender findet oder nicht und deshalb habe ich bis zuletzt mit einem großen Plottwist gerechnet (ob der gekommen ist oder nicht, verrate ich aber nicht)

Der Stil ist einfach gehalten und nicht besonders ausführlich oder detailliert. Es ging mir nicht ans Herz (oh man, was ein schlechter Witz…) und hat mich emotional berührt. Ich konnte schmunzeln und mir die Situationen vorstellen, aber nicht mitfühlen.

Schlussendlich ist „Mein geliehenes Herz“  ein schönes Buch für zwischendurch, wenn man Lust auf etwas Leichtes und Lockeres hat. Da ich schon viele Krankenhausstorys gelesen habe, die mich sehr berührt haben, fand ich das Buch oberflächlich. Ich denke aber auch, dass das Buch empfehlenswert für 12- bis 17-jährige Leser sein könnte, da es eben nichts Explizites oder ekelhafte Szenen in Bezug auf die Operation (oder so) gibt.

Bitte, bitte, bitte lasst euch als Organspender registrieren oder schafft euch einen Organspendeausweis zu. Diese Buch zeigt nochmal deutlich, wie wichtig das Thema ist und wie viele Menschen auf ein Spenderorgan warten. 9500 warten auf ein Organ und nur 955 Organspender*innen sind 2018 registriert gewesen. Da braucht man kein großer Mathematiker zu sein und zu merken, dass das nicht aufgeht. Ich verlinke euch hier mal die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.  (hier könnt ihr euch auch einen Organspendeausweise bestellen)

Etwa 9.500 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die meisten von ihnen warten auf eine Spenderniere. 2018 gab es bundesweit 955 Organspenderinnen und Organspender. Das entspricht 11,5 Organspenden je eine Million Einwohner. In Europa führt Spanien regelmäßig die Statistiken zur Organspende an. 2017 kamen dort auf eine Million Einwohner 46,9 Organspenderinnen und Organspender.
https://www.organspende-info.de/zahlen-und-fakten/statistiken.html

Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen 😉

Liebe Grüße
Eure Lin


Informationen zu dem Buch „Mein geliehenes Herz

Autorin: Shivaun Plozza
Übersetzung: Sylke Hachmeister
Titel: Mein geliehenes Herz
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN 978-3-551-58412-0
Preis: 18€  für das Hardcover
Seiten: 368


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