„Niemandsstadt“ von Tobias Goldfarb – Was wäre, wenn deine Träume wirklich wahr wären?

Als die E-Mail von dem Thienemann-Esslinger Verlag bekommen habe, dass es bald ein neues Buch gibt, welches „Niemandsstadt“ heißt, dachte ich mir: „Naja, mal schauen was das wird“. Ein Glück bin ich dann sogar zur Buchpremiere gegangen und konnte mich davon überzeugen, dass dieses Buch anders ist als alle anderen.

Klappentext:

In der Niemandsstadt gibt es alles, was man sich in der Wirklichkeit erträumt. Drachen ziehen durch die Wolken, Statuen zwinkern einem freundlich zu. Gleich drei Sonnen wärmen Gesicht und Rücken. Räume entstehen immer dann, wenn man sie braucht. Hier fühlt sich Josefine wohl. Doch diese Stadt, ihre Geschöpfe und ihr Zauber sind in Gefahr. Bedroht von spionierenden Crowbots, von Magie raubenden Maschinen, von einer weiten, weißen Leere. Ausgerechnet Josefine soll eingreifen – aber wie bekämpft man einen Gegner, der nicht existiert?

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 Was passiert in „Niemandsstadt “?

Jo/Fine/Josefine/Josef führt ihr Teenager-Leben in Berlin. Manche denken, das wäre schon erstaunlich genug. Aber sie lebt nicht nur in Berlin. Sie lebt auch noch im „Drüben-Berlin“. Dort ist vieles genauso wie im normalen Berlin und Jo findet auch einige Orte wieder. Aber wenn dann am Himmel die drei Sonnen scheinen oder die Drachen vorbeifliegen, merkt sie doch, dass es hier anders ist.

In der Schule ist Jo eher eine Einzelgängerin und hat nicht besonders viele Freunde. Wenn wir ganz ehrlich sind, hat sie keine Freunde. Bis auf Eli. Denn obwohl sie Freund mit Nachnamen heißt, kann sie das nicht so gut und die anderen Leute sind auch so anders. Aber mit Eli verbindet sie etwas. In der Schule sollten die Schüler über ihre Träume reden und Eli berichtete von einem schwarzen Engel, der ihr jede Nacht etwas in ihr Herz ritzen möchte. Bevor sie jedoch erfahren kann, was er schreiben möchte, wacht sie auf. Jo kennt diesen Engel. Er steht in dem Friedhofspark, in dem sie sich manchmal drüben aufhält. Sie spricht mit dem Engel und bittet ihn, Eli in Ruhe zu lassen. Das ist der Anfang einer zarten Pflanze namens Freundschaft.

Doch schon bald wird die Freundschaft zwischen Eli und Jo auf die Probe gestellt. Jo verschwindet nämlich in die Niemandsstadt und kommt nicht mehr zurück. Ihre Eltern bangen Tag und Nacht an ihrem Krankenhausbett, da sie nur sehen können, dass Jo im Koma liegt. Eli weiß aber, dass da etwas faul ist und möchte Jo in die Niemandsstadt folgen.

Dass sie dabei ihr Leben aufs Spiel setzt, spielt keine Rolle. Sie möchte Josefine wieder haben.

Der erste Satz:

„Manchmal weiß ich nicht, ob ich gerade drüben bin.“
– Seite 6, Teil 1 Josefine, Drüben

Wie hat mir „Niemandsstadt“ gefallen?

Ich habe mir unter dem Buch etwas komplett anderes vorgestellt. Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich mir : „Ein Fantasy-Buch mit Auszügen aus der Wirklichkeit, na toll“. Aber ich wurde schon überrascht, bevor ich das Buch selbst angefangen habe zu lesen

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Die Buchpremiere am 15. Februar 2020 hat mir richtig Lust auf das Buch gemacht, da Tobias Goldfarb es so interessant (das meine ich in keinster Weise irgendwie negativ) vorgelesen hat und die Hintergründe des Buches erklärt hat. Ein für mich wirklich spannender Fakt, war die gesamte Zahlenbedeutung. 3 Protagonistinnen (Josefine, Elisabeth und Yai), 66.000 Wörter und auch eine bestimmte Anzahl an Kapiteln. Außerdem steckt hinter dem Binärcode auf dem Cover auch ein Text, der sich mehrmals im Buch wiederfindet. Das hat mich richtig fasziniert

Tags darauf habe ich mit dem Lesen angefangen und mich also ständig zwischen Traum und Realität bewegt. Der Grundgedanke, dass unsere Träume real sein könnten, aber in einer anderen Welt stattfinden, hat mich zum Nachdenken angeregt. Eine Message von dem Buch ist, dass unsere Träume in Gefahr sind, weil wir durch die technischen, visuellen und akustischen Reize, die in jeder Sekunde auf uns einprasseln, keinen Raum mehr haben, unseren Gedanken freien Lauf zu lassen. Und ohne die Freiheit unserer Gedanken, können keine Träume entstehen. Ich kann mir vorstellen, dass das einer der Gründe ist, weshalb Josefine so lebhaft träumt und in die Niemandsstadt flüchtet. Sie hat nur ein ganz altes Handy und ist nicht auf Magick angemeldet (geradezu ein Skandal in der Geschichte). Das Thema des Buches ist also hochaktuell und für viele Altersgruppen relevant.

Die Protagonistinnen Jo, Eli und Yai sind völlig konträre Charaktere. Jo ist die Einzelgängerin, die in der Schule auch mal Josef genannt wird, weil sie aussähe wie ein Junge. Eli ist eine Internetberühmheit – also wenn man es genau nimmt, ist Persona die Internetberühmtheit, aber Persona ist ein Teil von Eli – und trägt ihr Leben gerne nach außen. Sie erzählt ihren Followern von ihrem Tag und punktet mit optischen Reizen. Yai wird erst später in der Geschichte vorgestellt und deshalb möchte ich noch nichts vorwegnehmen. Anfangs lernt man die jungen Frauen kennen und weiß noch nicht ganz, wohin die Reise gehen soll. Aber die Figuren machen eine sehr schöne Entwicklung durch, von der ich als Leserin überrascht war, die mir aber auch gefallen hat.

Der Schreibstil ist anders. Anders im positiven Sinne. Tobias Goldfarb hat „Niemandsstadt“ in viele kleine Kapitel unterteilt, sodass man es sehr gut zwischendurch lesen kann und man das Gefühl hat, dass die Geschichte sehr rasant erzählt wird. Während der Erzählung wird sich des Öfteren auf andere Bücher bezogen, die mir persönlich alle nichts gesagt haben. Aber das hat dem Buch keinen Abbruch getan. Es ist ein kleines Gimmick, wenn man die „Quellen“ kennt.

Dadurch, dass die Geschichte aus Josefines und Elisabeths Perspektive erzählt worden ist, erhält der Leser viele Eindrücke. Gut gelöst wurde das, indem die beiden unterschiedliche Schriftarten bekommen haben. Ich wusste so, wer gerade erlebt und in der Geschichte im Mittelpunkt steht. Ein wirklich dickes Plus!

Das Cover verdient mehr als einen Blick. Es verstecken sich so viele schöne Details darin. Wie bereits oben erwähnt, hat der Binärcode tatsächlich eine Bedeutung und es wurden nicht nur blind Nullen und Einsen nebeneinander gedruckt. Ich denke, dass es keiner auf den ersten Blick sieht, aber wenn man es weiß, dann ist es irgendwie cool. Außerdem sind die Farben und der Schrifteffekt voll nach meinem Geschmack. Der Sternenhimmel und die fliegenden Drachen versetzen mich in die richtige Stimmung. Rundum gelungen!

Schlussendlich denke ich, dass „Niemandsstadt“ von Tobias Goldfarb nicht nur als Fantasy-Jugendbuch abgestempelt werden sollte. Es kann Leser jeder Altersstufe ansprechen, die gerne träumen und sich in fremde (oder vielleicht doch ganz vertraute) Welten entführen lassen.

Und hier könnt ihr euch das Buch auch noch selbst ansehen 😉

Liebe Grüße
Eure Lin


Informationen zu dem Buch „Niemandsstadt

Autor: Tobias Goldfarb
Titel: Niemadsstadt
Verlag: Thienemann-Esslinger
ISBN 978-3-522-20267-1
Preis: 15,00€  für ein Hardcover
Seiten: 368
Erschienen am: 14. Februar 2020


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