Uiuiui, ich dachte schon, dass ich dieses Buch ungelesen weiterverschenke oder so was. Aber vor ein paar Wochen hatte ich wirklich Lust „Das rote Kleid“ von Guido Maria Kretschmer zu lesen. Mal schauen, was meine längste SuB-Leiche so zu bieten hat…
Klappentext:
Anascha ist ein wunderschönes rotes Kleid aus Seide. Sie hängt an einem Filmset in der Garderobe und wartet gespannt auf ihren Auftritt. Aber Anascha ist noch ein junges Textil, und so ist sie froh, dass sie in guter Gesellschaft ist: Da gibt es Eric, den alten Mantel, der bald ihr engster Vertrauter wird, ein liebenswertes Nachthemdchen, das immer vom Bügel stürzt, oder Lulu, das charmante Revuekleid aus Las Vegas. Nur gut, dass sie alle zusammenhalten wie aus einem Garn genäht, denn bald müssen sie so manche Herausforderung meistern. Und vielleicht gelingt es Anascha am Ende sogar, ihren großen Traum zu erfüllen – ein richtiges Zuhause zu haben und einen Menschen, der sie wirklich liebt, für immer …
Was passiert in „Das rote Kleid“?
Anascha ist die unübliche Protagonistin in diesem Buch, denn sie ist ein rotes Kleid. Sie erwacht an einer Kleiderstange in einem Münsteraner Laden und macht Bekanntschaft mit dem Abendmantel Veronika, der neben ihr hängt. Eine Galina habe sich schon wieder selbst übertroffen, indem sie Anascha geschaffen hat. Von Veronika lernt sie die ersten Weisheiten, die ein so feines Kleid wissen sollte. Vor Hosen beispielsweise solle sie sich immer in Acht nehmen, die seien nicht ganz koscher. An diese erste Begegnung wird sich Anascha noch lange erinnern, auch wenn sie bald die kleine Boutique verlässt und erst wieder nach vielen Ruckeln und in einem dunklen Karton aufwacht. Sie wurde an ein Filmset gebracht. Sie ist jetzt ein Kostüm.
Doch warum spricht hier jeder davon, dass er ein Kostüm ist? Das versteht Anascha nicht so ganz und muss sich wieder vieles von ihren Nachbarn auf den Stangen erklären lassen. Die Kleider kriegen mehr mit, als die Menschen bisher vermuten. Sie beobachten fleißig das Treiben und die Machenschaften der Lucie – der eifersüchtigen Kostümbildnerin. Diese gehen sogar so weit, dass Lucie nach und nach einige Kleidungsstücke vom Set verschwinden lässt. Und wie es kommen musste, verschwindet auch Anascha eines Tages. Ihre Freunde machen sich große Sorgen um das rote Seidenkleid. Nur das Dior-Kleid, welches sich selbst die Naht aufgetrennt hat, weil es nicht das Lieblingskleid von Lavinia Jackson ist, lässt es kalt, dass immer mehr Stücke verschwinden.
Die Kleidungsstücke – unter anderem das Kleid Belinda mit der schönen Blume an der Schulter und der Mantel Mr. Bloom – geben ihr Bestes, um die verschwundenen Teile und Anascha wiederzufinden.
Der erste Satz:
„Was ist es doch für ein Vergnügen, wenn das Licht des Tages sich langsam verabschiedet.“
– Seite 7, Prolog

Wie hat mir „Das rote Kleid“ gefallen?
Zu allererst musste ich über die Idee schmunzeln, dass hier die Kleidungsstücke im Mittelpunkt stehen. Sie reden miteinander, haben Eigenschaften und Charakter und müssen von den Menschen gepflegt werden, weshalb das Nachthemdchen jede Nacht von seinem Bügel fällt, um aufgehoben und gestreichelt zu werden. Das hat mir sehr gefallen, da ich mir zwischendurch auch gedacht habe, was wohl jede Nacht in meinem Kleiderschrank für Gespräche stattfinden.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, aber das heißt nicht, dass es schwer war, das Buch zu lesen. Man merkt halt einfach, dass es das erste fiktionale Buch von Guido Maria Kretschmer ist.
Der Verlauf der Geschichte ist für mich unvorhersehbar gewesen, weil ich dachte, dass mehr passiert – wenn man versteht, was ich meine. Der Großteil der Geschichte findet auf dem Filmset in der Garderobe von Lavinia Jackson statt. Am Anfang befinden wir uns noch kurz in dem Atelier in Münster, aber das war es auch schon. Ich hätte mir gerne mehr Standorte gewünscht.
Zwischendurch finden sich in dem Buch wunderschöne Illustrationen von den Kleidern, Mänteln und so weiter. Das gibt dem ganzen noch mehr Kraft, da ich mir so viel besser vorstellen konnte, wie Mr. Bloom, Jana Ina oder Belinda aussehen. Das ist gelungen!
Schlussendlich ist „Das rote Kleid“ ein süßes Buch für zwischendurch. Man kann sich den Autoren Guido, den viele ja wahrscheinlich von „Shopping Queen“ kennen, richtig gut vorstellen und ich habe ihn oft vor meinem inneren Auge gesehen, wie er diese Geschichte erzählt. Das Buch bringt einem ein Lächeln auf das Gesicht.
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „Das rote Kleid“
Autor: Guido Maria Kretschmer
Titel: Das rote Kleid
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31489-8
Preis: 14,00 € für das Hardcover
Seiten: 256
Erschienen am: 12. März 2018
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