Das preisgekrönte Musical als Roman. Bereits auf der Leipziger Buchmesse habe ich von „Dear Evan Hansen“ aus dem cbj-Verlag gehört und habe mich in den fiktiven Evan verliebt. Schon auf den ersten Blick wirkte er wie ich… Aber schauen wir uns das Buch genauer an.
Klappentext:
Nobody Deserves to be Forgotten
Ein nie für die Augen anderer bestimmter Brief lässt Evan Hansen als engsten Freund eines toten Mitschülers erscheinen. Dem einsamen Evan eröffnet sich durch dieses Missverständnis die Chance seines Lebens: endlich dazuzugehören. Evan weiß natürlich, dass er falsch handelt, doch nun hat er plötzlich eine Aufgabe: Connors Andenken zu wahren und den Hintergründen seines Todes nachzuspüren. Alles, was er tun muss, ist weiter vorzugeben, Connor Murphy habe sich vor seinem Selbstmord allein ihm anvertraut. Plötzlich findet sich der unsicht- und unscheinbare Evan im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sogar der des Mädchens seiner Träume – Connors Schwester.
Was passiert in „Dear Evan Hansen“?
Evan ist unsichtbar. Zumindest hat er in der Schule das Gefühl von jedem übersehen zu werden. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht – findet er zumindest. Sein Psychotherapeut und seine Mutter sehen das anders. Sie machen sich Sorgen um ihn, weil der Junge sich während der Sommerferien sehr abgekapselt hat. Doch das neue Schuljahr wird alles ändern.
Mit gebrochenem Arm beginnt für Evan ein neues angsteinflößendes Jahr an der Schule. Von seinem Therapeuten hat er die Aufgabe bekommen, jeden Tag einen Brief an sich selber zu schrieben.
Lieber Evan Hansen, heute wird ein fantastischer Tag und ich sage dir auch weshalb …
Er selbst sieht zwar dahinter keinen wirklichen Nutzen, aber für Dr. Sherman und seine Mutter macht er es und verfasst jeden Tag einen Brief, bei dem er sich auch des Öfteren mal Dinge ausdenkt oder philosophiert. An diesem bedeutenden Schultag hat seine Mutter spontan beschlossen, dass Evan nach der Schule doch nochmal zu Dr. Sherman gehen soll. Dafür muss er jetzt aber noch einen Brief schreiben. Doch dieses Mal ist Evan richtig ehrlich und verfasst einen bewegenden Brief an sich, den er im Computerraum der Schule ausdrucken will. Doch irgendwie kommt ihm Connor in die Quere. Mit Connor hatte Evan noch nie so wirklich viel zu tun, aber Dr. Sherman meinte, er sollte offener auf die Leute zu gehen und seine Mutter hat vorgeschlagen, dass Evan doch Leute fragen solle, ob sie nicht auf seinem Gipsarm unterschreiben wollen. Aus diesem Grund fragt er Connor, der sich in riesigen Buchstaben auf den Arm verewigt. Und er findet auch gleich den Brief von Evan in der Ausgabe des Druckers. Dort taucht der Name von Connors Schwester Zoe auf und Connor reagiert beschützend. Er nimmt Evan den Brief weg und steckt ihn einfach ein. Für unseren Protagonisten bricht eine Welt zusammen und er rechnet mit jedem Moment und jeder neuen Stunde, die anbricht, mit der Zerstörung seiner Ehre. Immerhin schreibt er Briefe an sich selber. Aber keine Bloßstellung kommt…
Stattdessen wird er einige Tage später von Connors Eltern im Schulleiterbüro darüber aufgeklärt, dass Connor sich das Leben genommen hat. Er hatte noch Evans Brief in der Tasche und die Eltern gehen davon aus, dass Connor Evan den Brief noch überreichen wollte oder er eben noch Evan gegeben werden sollte. Sie hoffen, dass Evan Connors Freund war und nicht wirklich absichtlich gerät Evan in eine missliche Situation, in der er der Familie Murphy und später noch unzähligen Menschen vormacht, dass er Connors geheimer Freund war. Evan ist nicht mehr unsichtbar. Aber die Lüge lastet schwer auf seinen Schultern, obwohl er es nur macht, damit sich die Familie Murphy besser fühlt und sie einen Anker haben.
Die wichtigste Botschaft des Buches lautet : Niemand verdient es vergessen zu werden! Niemand sollte je vergessen werden.
Der erste Satz:
„Ich bin abgetreten.“

Wie hat mir „Dear Evan Hansen“ gefallen?
Wow. Das fällt mir gerade bloß ein. Ich habe schon lange keinen Protagonist in so kurzer Zeit in mein Herz geschlossen. Ja, mir ist bewusst, dass seine Tat nicht moralisch vertretbar ist. Aber wenn ich mir seine Motive genauer ansehe, dann verstehe ich ihn. Ich kann Evan in so vielen Aspekten nachvollziehen. Doch kommen wir nun noch zu anderen Bewertungskriterien.
Das Cover ist meiner Meinung nach unfassbar gelungen. Man sieht einen blauen Baum vor weißem Grund. Und dieser Baum spielt eine große (wirklich große) Rolle in dem Buch und in Evans Leben. Denn von diesem Baum ist er heruntergefallen, als er sich den Arm gebrochen hat. Doch dahinter stecken noch so viele kleinere Geschichten, die ich gar nicht alle aufzählen kann. Auf jeden Fall ist das Cover ziemlich passend zur Geschichte gewählt worden und gefällt mir sehr gut!
Der Stil des Geschriebenen hat mir persönlich sehr gefallen. Wir als Leser sind Evan. Alle paar Kapitel geistert Connor sprichwörtlich in der Handlung herum und nimmt uns mit. Es wurde versucht zu erklären, was Connors Hintergründe sind (nicht unbedingt die seines Suizids, aber dennoch erfährt man so mehr aus Connors Leben). Die Kapitel sind nicht zu lang und nicht zu kurz, das passt auch alles sehr gut!
Der Handlungsverlauf ist absolut nicht vorhersehbar und dadurch auch sehr spannend (wenn auch nicht auf die Thriller oder Actionweise). Alle Charaktere haben eine interessante Entwicklung, was als Leser reizvoll ist zu beobachten.
Vermutlich könnte ich noch Stunden über „Dear Evan Hansen“ philosophieren und davon schwärmen, aber wir müssen ja auch zu einem Schluss kommen. Für John Green – Fans (die sehnsüchtig auf ein neues Buch warten) und Liebhaber von herzzerreißenden Geschichten ist das Buch definitiv eine Empfehlung von mir, da es mir wirklich gut gefallen hat. Es ist spannend, traurig und inspirierend (schreckliches Wort, ich weiß).
Liebe Grüße
Eure Lin
Informationen zu dem Buch „Dear Evan Hansen“
Autoren: Val Emmich, Steven Levenson, Benj Pasek, Justin Paul
Titel: Dear Evan Hansen
Verlag: cbj
ISBN 978-3-570-16565-2
Preis: 18,00€ für das Hardcover mit Schutzumschlag
Seiten: 416
Erschienen am: 02. September 2019
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