„Helden auf der Couch“ von Claudia Hochbrunn und Andrea Bottlinger – Warum Werther nicht therapierbar und Mr. Grey eine Illusion ist.

Bei den Herbst-Vorschauen aus dem Rowohlt-Verlag bin ich auf dieses kleine Büchlein „Helden auf der Couch“ gestoßen. Als Potterhead bin ich bereits wegen des Covers aufmerksam geworden. Und dann habe ich noch den Inhalt gesehen und wusste, dass ich es lesen muss. Die beiden Autorinnen haben unterschiedlichste Werke daraufhin analysiert, was in der Psyche der Charaktere abgeht und was gewesen wäre, wenn zum Beispiel Bella aus „Twilight“ oder Werther aus „Die Leiden des jungen Werthers“ den Weg um Therapeuten gewagt hätte.

Klappentext:

Von Werther bis Harry Potter – ein psychiatrischer Streifzug durch die Literaturgeschichte

Ein amüsanter Streifzug durch die Literaturgeschichte, der zeigt: Romanfiguren sind auch nur Menschen, und jeder gute Held hat eine Macke. Claudia Hochbrunn, Fachärztin für Psychiatrie, und Literaturwissenschaftlerin Andrea Bottlinger fragen: Hätte eine Erziehungsberatung Ödipus‘ Eltern vor dem Schlimmsten bewahren können? Wäre Romeo und Julias Geschichte anders verlaufen, wenn sie keine pubertierenden Teenager gewesen wären? Und kompensiert in «Fifty Shades of Grey» Christian nicht seine fehlende Männlichkeit mit erotischen Fantasien? Was wäre eigentlich gewesen, wenn unsere Helden rechtzeitig einen Psychiater aufgesucht hätten? Ihr Fazit: Dann gäbe es kaum gute Geschichten! Ein überraschender Blick auf die Literatur durch die Brille der Psychologie.

 Was passiert in „Helden auf der Couch“?

Eine richtige Inhaltsangabe kann man in diesem Buch gar nicht machen…

Das Buch untersucht verschiedenste Geschichten und literarische Werke aus unterschiedlichsten Epochen. Angefangen in der Antike und mit der „Ödipussage“, bei dem der junge Ödipus aufgrund des Orakels von Delphi seine Mutter heiratet und seinen Vater ermordet, aber das nur mal so am Rande. Hochbrunn und Bottlinger gehen wie folgt an die Sache: Erst leiten sie die Werke mit einer kurzen Anekdote ein und erklären daraufhin in kurzen Absätzen, worum es grob in der Handlung geht. Anschließend werden die Protagonisten auf ihre Psyche und Handlungen hin analysiert. Teilweise nehmen die beiden das gesamte Stück oder mehrere Handelnde unter die Lupe.

Und so zieht sich das durch die knapp 250 Seiten durch. Von der Antike – Ödipussage, über das Mittelalter – König Artus – bis hin zur Moderne – mit Shades of Grey oder Harry Potter.

Der erste Satz:

„Menschliche Gesellschaften definieren sich über ihre Werte  – das war schon immer so, seit die Menschen in der Steinzeit anfingen, sich selbst als Individuum mit eigenem Brauchtum und eigener Kultur wahrzunehmen.“
Vorwort

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Wie hat mir „Helden auf der Couch“ gefallen?

Ich habe das Buch während meiner Grippe gelesen, da ich bei Krankheit schnell Kopfschmerzen bekomme, wenn ich lesen. Aber für den Zeitraum war es absolut genial. Die kurzen Einblicke in die Welt von König Arthus oder Pippi Langstrumpf waren so gut gestaltet, dass man auch nur kurz lesen brauchte, um ein Kapitel abzuschließen. Und obwohl das Buch relativ schmal ist, würde ich persönlich dazu appellieren, es nicht zu verschlingen (obwohl ich das gerne getan hätte). Lasst es wirken. Denkt über Momo und die Grauen Männer nach. Durch das Nachdenken über das Gelesene, habe ich viele Aspekte verschiedener Bücher noch einmal ganz anders gesehen. Genial!

Auch die Schreibweise der Autorinnen war angenehm und sehr leicht lesbar. Frau Hochbrunn ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und hat Ahnung davon, was sie macht. Frau Bottlinger hingegen ist Literaturwissenschaftlerin. Aber nichtsdestotrotz bringen sie diese Botschaft auch leicht verständlich an die Leser weiter. Es wurde nicht mit Fachtermini um sich geworfen, um seine Intelligenz zu beweisen. Es wurde stattdessen viel mit Humor gespielt, um den Leser mitzunehmen.

Zum Schluss bin ich der Meinung, dass Menschen, die wie ich gerne lesen, auf jeden Mal dieses Buch ins Visier nehmen sollten. Es beleuchtet verschiedenste Werke aus einem anderen Winkel als beispielsweise der Schulunterricht. „Helden auf der Couch“ hat mich unterhalten, nachdenken, erinnern und schmunzeln lassen. Eine Empfehlung von mir!

Und hier könnt ihr euch das Buch noch einmal selbst ansehen 😉 

Liebe Grüße
Eure Lin


Informationen zu dem Buch „Helden auf der Couch“

Autorinnen: Claudia Hochbrunn, Andrea Bottlinger
Titel: Helden auf der Couch  – Von Werther bis Harry Potter – ein psychiatrischer Streifzug durch die Literaturgeschichte
Verlag: rowohlt
ISBN 978-3-499-60672-4
Preis: 10,00€
Seiten: 240
Erschienen am: 17. September 2019


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