„Du wolltest es doch“ von Louise O’Neill – Ein Jugendbuch über victim-shaming und die Probleme eines Vergewaltigungsopfers

Der März ist definitiv ein sehr guter Monat für meine Bücherbilanz bisher. Innerhalb von nur 24 Stunden habe ich das Buch „Du wolltest es doch“ von Louise O’Neill gelesen. Auf dieses Buch habe ich mich seit seiner Erscheinung – die nun doch schon eine Weile zurückliegt – gefreut, da mich die Geschichte total angesprochen hat und mich das Cover sofort in seinen Bann zog. Schauen wir es uns doch einmal näher an

Klappentext:

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?
Ein aufwühlendes, vielfach preisgekröntes Buch.

Was passiert in dem Buch „Du wolltest es doch“?

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Anfangs ist Emma beliebt, wunderschön und ziemlich arrogant. Sie denkt, dass sie sowieso die schönste im ganzen Raum ist und ihr niemand das Wasser reichen kann. Über ihre drei Freundinnen, mit denen sie ihre Zeit verbringt, denkt sie fast durchgehend nur schlechte Sachen. Sie leben alle in Irland und genießen ihre Zeit auf der Mädchenschule. Bis auf Emma stammen sie aus sehr gehobenen Familien und Geld spielt keine Rolle.
Flirten mit Jungs? Das ist quasi Alltag für Emma, denn sie ist ja wunderschön und wenn jemand sie von der Bettkante stößt, dann stimmt etwas nicht mit ihm.
Eines Abends gehen die vier auf eine Party und natürlich gibt es nicht nur bei, sondern auch vor der Party ordentlich Alkohol. Emma steht auf einen Jungen, der ihr aber keine Beachtung schenkt. Na, und? Denkt sich Emma. Dann schmeiße ich mich halt an Paul O’Brien ran und der wird schon sehen, was er davon hat. Paul gibt der sichtlich angetrunkenen Emma Pillen in die Hand, ohne ihr zu erklären, was das ist, oder was es bewirkt.

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Das hübsche Mädchen bekommt noch mit, wie sie mit dem vergebenen Mann ins Bett geht. Dabei spürt sie ihre Zunge schon kaum und versucht mehr schlecht als recht, ihn loszuwerden. Sie handelt dann nach dem Motto „Wenn ich so tue, als würde es mir gefallen, dann ist er schneller fertig“.
Am nächsten Tag finden sie ihre Eltern halbnackt vor ihrem Haus an einem Baum. Hingeworfen – wie ein Müllsack.
Sie hat einen schweren Sonnenbrand mit einigen Brandblasen und eine große Erinnerungslücke in ihrem Kopf. Weder wie sie dort gelandet ist, noch was nach ihrem Techtelmechtel mit Paul passiert ist. Nach der Behandlung im Krankenhaus und den Predigten, die sie sich von ihren Eltern anhören durfte, muss sie wieder in die Schule. Dort ist sie plötzlich nicht mehr ganz so beliebt und jeder schaut sie herablassend an.
Was ist nur passiert?
Jeder weiß, was Emma in der besagten Nacht getan hat, nur nie selber hat immer noch keinen Schimmer.
Auf einer Facebookseite wurden Bilder hochgeladen, die zeigen, was Emma alles durchlebt hat.
Und das ist sicherlich nichts für schwache Nerven…

Der erste Satz:

„Das Gesicht meiner Mutter taucht hinter meinem eigenen im Spiegel auf, geschminkte Lippen auf gepuderter Haut.“
– Seite 9, Kapitel Donnerstag – letztes Jahr

Wie hat mir das Buch „Du wolltest es doch“ gefallen?

Das Thema ist sicherlich kein einfaches und ich möchte jeder labilen Person davon abraten, das Buch zu lesen. Denn es geht einem wirklich an die Nieren. Ich bestreite aber keinesfalls, dass da Thema besprochen werden muss.
Obwohl ich Emma anfangs sehr (!!!!) unsympathisch fand und ihr keine Chance geben wollte, ging mir ihre Geschichte sehr nah. Und ich glaube, dass Louise O’Neill das beabsichtigt hat. Nicht jedes Opfer war vorher liebenswert, aber dennoch hat keiner so etwas verdient!

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Das Buch ist in zwei Hälften unterteilt. Das „Davor“ und das „Danach“. Und größer könnte die Differenz der beiden Personen nicht sein. Es ist heftig zu sehen, was sich alles verändert hat. Und das Traurige an der ganzen Geschichte ist, dass Emma sich für jegliche negative Veränderung die Schuld gibt. Sie denkt, dass sie an der ganzen Sache schuld ist. Und die Frage, ob er Emma dafür, dass sie die Pillen genommen hat, die Schuld gibt, liegt ganz beim Leser. Damit lässt uns Louise O’Neill zurück.
Die Schreibweise hat mich dazu gebracht, bis spät in die Nacht wach zu bleiben (und das schaffen nicht viele Bücher) und wissen zu wollen, wie es denn jetzt ausgeht. Das ist echt faszinierend gewesen. Teilweise gab es rückblendungs-/gedankenartige Einwürfe, die sich immer wiederholt haben. Emma gingen die ganze Zeit die Kommentare zu den Bildern durch den Kopf, immer wieder und wieder. Das hat das ganze noch greifbarer für mich gemacht.
SPOILER
Das Ende ist meiner Meinung nach sehr unbefriedigend gewesen und ermutigt meiner Meinung nach keinen Leser, den Kampf bis zum Ende zu kämpfen. Natürlich erklärt die Autorin im Nachwort auch ihre Entscheidung, das Ende eben genauso zu schreiben, aber dennoch hätte mir ein anderes Ende vorgeschwebt.
SPOILER

Abschließend finde ich dieses Buch „Du wolltest es doch“ wichtig, da ich bisher kein Buch in der Hand hatte, was so offen über Vergewaltigung und Victim-Shaming spricht. Aber wie ich vorhin schon kurz erwähnt habe, sollte sich jeder Leser vorher fragen, ob er bereit ist für so eine harte und emotionale Geschichte. Mir persönlich hat es sehr gefallen, obwohl ich nicht jede von Emmas Entscheidungen nachvollziehen kann.

Liebe Grüße
Eure Lin


Informationen über das Buch „Du wolltest es doch“

Autorin: Louise O’Neill
Titel: Du wolltest es doch
Originaltitel:
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58386-4
Preis: 18€
Seiten: 368
Verfügbar als: Hardcover, ePub, AmazonMobi
Alter: ab 16 Jahren


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