Auch heute kommt mal wieder eine andere Art von Buch, denn es handelt sich nicht um die alltägliche Jugendliteraur, die ich sonst gerne lese, sondern um eine Biografie von dem Buchhalter von Auschwitz. Reiner Engelmann hat für den cbj-Verlag ein Buch geschrieben, welches die andere Seite des Holocaust betrachtet. Es geht in „Der Buchhalter von Auschwitz – Die Schuld des Oskar Gröning“ nicht um die Opfer, sondern um die Täter.

Klappentext :
Oskar Gröning ist 21 Jahre alt, als er als überzeugter SS-Mann nach Auschwitz abkommandiert wird. Seine Aufgabe besteht darin, die Wertsachen der Häftlinge zu verwalten. Obwohl Gröning von der Ermordung der Menschen weiß, rechtfertigt er seine Arbeit damit, dass er nicht unmittelbar an den Tötungen beteiligt ist. In einem der letzten großen Auschwitz-Prozesse wurde Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 Juden verurteilt. Reiner Engelmann hat seine Lebensstationen anhand von Interviews und Gerichtsprotokollen aufgeschrieben – ein wichtiger Beitrag über eine verführte Jugend, versäumte Gewissensentscheidungen und ein Leben mit Schuld.
Was passiert in dem Buch ?
Wie der Titel des Buches bereits verrät, handelt die Geschichte um Oskar Gröning. Es wird gezeigt, wie er gelebt hat und mich welchem Gedankengut er aufgewachsen ist. Oft wird auch deutlich, dass er einfach alles mitgemacht macht, ohne dabei zu denken. Es war ja schließlich ein Befehl!
So begleitet der Leser den zukünftigen Buchhalter von Auschwitz durch seine Kindheit und lernt ihn und seine Familie näher kennen.
„Disziplin, Gehorsam, Zucht – unter diesen Maßstäben wuchsen die beiden Jungen heran.“
– Seite 24, Kapitel „Der junge Oskar Gröning“
Er hat sich der SS angeschlossen und wollte dort Zahlmeister werden. Voller Stolz präsentierte der knapp 20-jährige Mann seiner Familie die neue Uniform. Er führte alle Befehle aus, ohne weiter darüber nachzudenken. So trat er beispielsweise auch einfach aus der evangelischen Kirche aus, als Heinrich Himmler dazu aufforderte.
Daraufhin begleitet der Leser Oskar Gröning nach Auschwitz, wo er in der Gefangenen-Eigentums-Verwaltung arbeiten sollte. Wie er selbst später behauptet, hatte er so mit den grausamen Taten, die in Auschwitz stattgefunden haben, nichts zu tun. Er zähle ja bloß das Geld. Im Kapitel „Dienst in Auschwitz“ äußerte er sich auch kritisch über die Bedingungen, die in Auschwitz für die Häftlinge herrschten, aber es war ja ein Befehl.
„Es war nicht so, dass er mit allem einverstanden war, was er im Umgang mit den Häftlingen beobachtete. Doch er empfand es als notwendig.“
– Seite 37, Kapitel „Dienst in Auschwitz“
Ein für mich besonders schockierendes Kapitel ist „Die Geschichte mit dem Säugling“, bei der selbst Oskar Gröning absolut schockiert war. Er musste mit ansehen, wie ein kleiner Säugling brutal umgebracht wurde (und zwar nicht in den Gaskammern), in dem er mit dem Kopf an eine Stoßstange geschlagen wurde. Den Tod des Babys stellte niemand infrage, es war nur die Art und Weise.

Die Angestellten in Auschwitz-Birkenau hatten ein sehr angenehmes Leben. Sie bereicherten sich an dem Gepäck der Häftlinge, in dem sich allerlei wertvolle Gegenstände tummelten. Zwar war es verboten, sich an dem Gepäck zu bedienen, aber darauf achtete eigentlich kaum jemand. Immerhin konnten die Angestellten so jeden Abend ein Besäufnis veranstalten, um die Bilder zu vergessen, die sie den ganzen Tag sahen.
„Alkohol brauchten die meisten von ihnen jeden Tag. Darin ertränkten sie die Erfahrungen und die Bilder, die sonst nicht zu ertragen waren.“
– Seite 45, Kapitel „Ein erträgliches Leben“
Im zweiten Teil des Buches ändert sich die Perspektive und die Protagonistin wird Eva Fahidi, eine Holocaust-Überlebende. Auch über sie erfährt man mehr, indem von ihrem Leben vor Auschwitz-Birkenau berichtet wird. Die junge Frau und ihre Familie wurden in Ungarn aus ihrem Ghetto getrieben und dann in Viehwägen in das Konzentrationslager gebracht. Das wussten die vielen Menschen in den Zügen nicht. Sie dachten, sie würden sinnvolle Arbeit verrichten dürfen. Allerdings wurden sie bei der Ankunft selektiert. Mit einem Fingerzeig wurde über Leben und Tod entschieden. Dabei verlor Eva den großen Teil ihrer Familie, doch sie überlebte.
Der dritte Teil des Buches handelt wieder um Oskar Gröning, der nun 70 Jahre nach dem größten Verbrechen der deutschen Geschichte vor Gericht zur Verantwortung gezogen wird. Und die Frage, die der Autor Reiner Engelmann in den Raum wirft, lautet, ‚Warum erst jetzt?‘. Denn Oskar Gröning war zum Zeitpunkt des Verfahrens bereits 93 Jahre alt. Dennoch ist es wichtig, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, denn auch die Überlebenden sind alt und mussten jahrelang mit dem Trauma kämpfen und haben jahrelang um ihre Familienangehörigen getrauert.
Oskar Gröning wurde wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen für schuldig erklärt und muss für 4 Jahre in Haft.

Wie hat mir das Buch gefallen?
Grundsätzlich war ich schon immer an den Geschichten rund um den Zweiten Weltkrieg interessiert und habe schon einige Bücher darüber gelesen. Doch meist handelten diese, wie im zweiten Teil dieses Buches, um die Opfer der Holocaust. Wie ein SS-Mann gedacht hat, darüber habe ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht.
Zwischendurch findet der Leser Originalaufnahmen, die den Schrecken sehr gut vermitteln und die bedrückende Zeit näher bringen.
Die Aufteilung in dem Buch hat mir an sich schon sehr gut gefallen, da man so sehr viel über Oskar Gröning kennengelernt hat und ihn nicht vorher schon verurteilt hat. Allerdings war es meiner Meinung nach unangebracht, die Geschichte von Eva Fahidi zu erzählen, da sie nicht in den Rahmen des Buches passt. Es heißt „Der Buchhalter von Auschwitz – Die Schuld des Oskar Gröning“ und da sollte es eigentlich nur um ihn als Person gehen. Natürlich hat seine Arbeit Opfer hervorgebracht, aber ihnen so viel Aufmerksamkeit zu geben, das hat er selbst vermutlich nie gemacht. Ich würde mich freuen, mehr über Frau Fahidi zu erfahren, allerdings nicht in diesem Rahmen.
Schlussendlich ist „Der Buchhalter von Auschwitz – Die Schuld des Oskar Gröning“ von Reiner Engelmann ein sehr informatives Buch, welches einem mal wieder die Augen öffnet, wie schrecklich die Zeit damals war. Meiner Meinung nach sollte sich jeder Mensch heutzutage noch einmal mit dem Holocaust beschäftigen, damit sich diese grausame Geschichte nie wiederholt.
Und falls ihr in das Buch hineinschauen wollt, könnt ihr das hier machen.
Liebe Grüße
Eure Lin

Informationen über das Buch
Titel : Der Buchhalter von Auschwitz – Die Schuld des Oskar Gröning
Autor: Reiner Engelmann
Verlag : cbj
ISBN : 978-3-570-16518-8
Seiten : 224
Preis : 16,00€ für das gebundene Buch
Erschienen : 26. März 2018
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